Endlich grünes Licht für digitalen Radiostandard DAB Plus

Donnerstag, 16. Dezember 2010
Das digitale Radio bekommt eine letzte Chance
Das digitale Radio bekommt eine letzte Chance

Private Radiosender und der Netzbetreiber Media Broadcast haben sich über die Modalitäten zur Einführung des digitalen Übertragungsstandards DAB Plus geeinigt. Knackpunkt waren bis zum Schluss die Kosten für den Aufbau und Betrieb des digitalen Sendenetzes. Den entscheidenden Durchbruch ermöglichte offenbar der englische Chiphersteller Frontier Silicon, der den Radiosendern in der Startphase von DAB Plus finanziell unter die Arme greifen will. Die Einigung erfolgte quasi in letzter Minute: Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten KEF hatte den Radiosendern eine Frist bis zum 15. Dezember gesetzt. Bei einem Scheitern der Verhandlungen hätte die KEF die notwendigen Fördermittel für den Start von DAB plus nicht freigegeben. Die Hilfe des Chipherstellers Frontier Silicon für die deutschen Radiosender ist dabei natürlich nicht ganz uneigennützig: Das Unternehmen produziert Chipsätze für DAB-Plus-fähige Radiogeräte. Mit der Einigung könnte der neue Radiostandard bereits Anfang 2011 starten.

Branchenvertreter von öffentlich-rechtlichen wie privaten Anbietern begrüßten die Einigung: Als "gutes Signal für den für 2011 vorgesehenen Start von bundesweitem Digitalradio" haben Gerd Bauer, Hörfunkbeauftragter der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten, sowie Martin Deitenbeck, Vorsitzender der Technischen Konferenz der Landesmedienanstalten, die Unterzeichnung der Verträgen gewürdigt. "Es ist ein offenes Geheimnis, dass eine erhebliche Anzahl von Bewerbern auf die Chance wartet, auf den nunmehr in Bewegung geratenen bundesweiten Digitalradio-Zug mit eigenen Angeboten aufzuspringen", betont der DLM-Hörfunkbeauftragte Bauer.

Auch die ARD hat die Einigung der Privatsender mit Media Broadcast begrüßt: Die Startbedingungen für Digitalradio in Deutschland seien jetzt besser denn je. "Wenn jetzt alle Beteiligten so konstruktiv zusammenarbeiten, wie es sich im Augenblick abzeichnet, bin ich zuversichtlich, dass das Radio eine gute Perspektive hat, sich auch in der digitalen Welt den Stellenwert zu erhalten, den es heute über UKW hat", zeigt sich der ARD-Vorsitzender Peter Boudgoust zuversichtlich.

Mit der Einigung der Privatsender mit Media Broadcast besteht nun die Chance, den digitalen Radio in Deutschland endlich zum Durchbruch zu verhelfen. Der bestehende digitale Radiostandard DAB fristet in Deutschland ein Nischendasein. Die Zahl der verkauften Radiogeräte ist gering, ein Anreiz zum Umstieg auf die neue Technik war bislang kaum gegeben. Mit dem Neustart des digitalen Radios hoffen die Radiosender nun, die Verbraucher mit neuen Angeboten und Diensten von der neuen Technik überzeugen zu können. So wollen unter anderem die Radiogruppe Regiocast (90elf) und Energy neue digitale Hörfunk-Angebote starten. 

Nach Ansicht von Experten ist es für die deutschen Radioanbieter die letzte Chance für die erfolgreiche Einführung eines digitalen terrestrischen Radiostandards: "Wenn DAB Plus jetzt wieder nicht zum Fliegen kommt, dann ist ein eigenständiger terrestrischer Verbreitungsweg für das Digitalradio in Deutschland wohl endgültig gescheitert", warnt KEF-Mitglied Ulrich Reimers. dh
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