Ende auf Raten: "Der Sport-Tag" stellt auch wöchentliche Ausgabe ein

Freitag, 14. Mai 2010
"Der Sport-Tag" erscheint vorerst nicht mehr
"Der Sport-Tag" erscheint vorerst nicht mehr

Die erste deutsche Sport-Tageszeitung droht endgültig zu scheitern. "Der Sport-Tag", erst Mitte März 2010 von der Berliner SIM Verlagsgesellschaft als deutsche Antwort auf die französische "L'Equipe" und die italienische "La Gazzetta dello Sport" in den Markt gedrückt, ist vorerst nicht mehr erhältlich. Wie die SIM Verlagsgesellschaft in einer knappen Pressemitteilung verkündet, wird die - so wörtlich - "tägliche Sportzeitung" ab sofort "nicht mehr wöchentlich" erscheinen. Um den Sinn dieser Aussage zu erfassen, muss man gut zwei Wochen zurückblicken: Anfang Mai verkündete der Verlag, dass "Der Sport-Tag" auf einen wöchentlichen Rhythmus umstellen werde - "vorerst", wie es damals hieß. Doch nun war auch diese Rettungsmaßnahme offensichtlich vergebens.

Begründet wird die Einstellung der wöchentlichen Ausgabe mit den "katastrophalen" Abverkäufen, die laut Verleger Michael Hahn zuletzt umgerechnet sogar unter denen der täglichen Ausgaben lagen. Nur rund fünf Prozent der Hefte sollen am Kiosk einen Abnehmer gefunden haben. Hinzu kommt, dass sich auch das Interesse der werbungtreibenden Industrie sehr in Grenzen hielt. Einige Ausgaben waren praktisch anzeigenfrei.

Das vorläufige Aus für den "Sport-Tag" kommt freilich alles andere als überraschend. Bereits der Start verlief mehr als holprig. So war der Titel anfangs wegen Vertriebsproblemen nur in einigen wenigen Städten wie Berlin, Hamburg, Hannover und Bremen erhältlich. Auch der beabsichtigte schnelle Ausbau der Verbreitung verlief mehr als schleppend. Anfang April beauftragte Verleger Hahn schließlich den Meckenheimer Verlagsdienstleister IPS mit dem Vertrieb der 50 Cent teuren Tageszeitung - mit der Vorgabe, die Verbreitung möglichst rasch zu steigern. Doch das Ziel, 90 Prozent der Bevölkerung mit dem "Sport-Tag" zu erreichen, lag offenbar noch in weiter Ferne.

Von einem endgültigen Scheitern des Projekts will der Verlag aber nichts wissen. Ganz im Gegenteil: Laut Hahn werden derzeit die fehlenden Druckstandorte gesucht, um die Lücken im Vertriebsnetz zu schließen. Ziel sei es, am 13. August 2010 "flächendeckend wieder täglich zu erscheinen." Wie Hahn gegenüber HORIZONT.NET erklärt, fehlen nur noch wenige Druckstandorte, unter anderem in München und im Rhein-Main-Gebiet. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das bis August hinkriegen", sagt Hahn. Unter diesen Voraussetzungen seien auch die Investoren, die sich bislang aufgrund der fehlenden Verbreitung zurückgehalten hatten, bereit, sich weiter zu engagieren, glaubt Hahn. Zum Neustart soll es sogar massive TV-Werbung geben. mas
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