"Emotion" vor der Gewinnschwelle / Schweizer Ausgabe ab April

Donnerstag, 10. Februar 2011
"Emotion" wird in diesen Tagen 5 Jahre alt
"Emotion" wird in diesen Tagen 5 Jahre alt

Gelöste Stimmung in einer besonderen Woche: Vor fünf Jahren hatte Gruner + Jahr das Frauenmagazin "Emotion" gegründet, es folgten bekanntlich aufreibende Phasen - und seit einem Jahr erscheint der Titel im eigenen kleinen Verlag von Katarzyna Mol, 36, in Hamburg. Die frühere "Emotion"-Verlagsleiterin hat ihrem Arbeitgeber G+J das Magazin, für das der Großverlag mit seinen Kostenstrukturen zuletzt wohl keine Perspektive mehr sah, zum Jahreswechsel 2009/2010 beherzt abgekauft. Und nun? Nun steht "Emotion" kurz vor dem Break-even. Das verkündete Mol in dieser Woche in einem Pressegespräch. Mit einem Erlösmix aus 37.000 Heften im Einzelverkauf, 10.000 Abos und 13 bezahlten Anzeigenseiten werde „Emotion" schwarze Zahlen schreiben, so Mol. Mit dem Februar-Heft, das seit etwa drei Wochen auf dem Markt ist, kommt sie dem Ziel schon sehr nahe: Die Einzelverkaufsmarke würde erreicht, die Abos lägen bei 9000 Stück und Anzeigenseiten gibt es knapp zehn. Im neuen März-Heft sind es sogar schon 14 Seiten, inklusive Neukunde Telekom.

Die Abschlusszahlen 2010 bilden diese jüngsten Entwicklungen indes noch nicht ab: Laut IVW lag die durchschnittlich verkaufte Auflage im 4. Quartal bei 56.567 Heften, etwa ein Fünftel weniger als im Vorjahreszeitraum, was sich vor allem durch rechnerische Abo-Verluste durch den Verlagswechsel und durchs Abschmelzen unrentabler Auflagenteile erklärt. Der Bruttowerbeumsatz sank 2010 gegenüber Vorjahr um knapp 30 Prozent auf rund 3 Millionen Euro.

Umso steiler zeigen die Kurven jetzt im neuen Jahr nach oben: Das Februar-Heft habe den Anzeigenumsatz gegenüber Februar 2010 um fast 70 Prozent gesteigert, und die „harte" Auflage (Einzelverkauf und Abo) sei um 16 Prozent gestiegen - und das bei einem höheren Copypreis, den „Emotion" zum Jahreswechsel um 30 Cent auf nun 4,80 Euro geschraubt hat. Im kommenden Jahr will Mol den Copypreis weiter erhöhen und in etwa 5 Jahren die Auflagenmarke von 100.000 Heften knacken.

Emotion-Chefin Katarzyna Mol
Emotion-Chefin Katarzyna Mol
In der Geburtstagsausgabe 3/2011, die in der kommenden Woche in den Handel gelangt, weitet „Emotion" seine im August 2010 gestartete Initiative „Frauen für die Zukunft" aus - unter anderem mit der Verleihung des „Victress Awards" an Frauen, die ihren eigenen Weg gehen (Schirmherrin: Sabine Christiansen). Außerdem gibt es einen Schreibwettbewerb („Meine schönste Krise"), dessen Ergebnisse auch in Buchform veröffentlicht werden; Kooperationspartner ist der Taschenbuchverlag DTV. Und drittens wird das Coaching-Programm mit einem neuen Handbuch und einer neuen Vortragsreihe ausgebaut.

Mit dem April-Heft startet schließlich auch ein eigener Heftteil für die Schweiz. Für die Eidgenossinnen lässt Mol dann jeden Monat 8.500 Hefte mit einem eigenen Cover und acht zusätzlichen Extraseiten drucken; davon will sie fürs erste rund 7.000 und irgendwann einmal 10.000 Hefte verkaufen. Bisher kommt „Emotion" in der Schweiz auf kaum 3.000 Hefte. Als Start-Anzeigenkunde ist die Bank Coop bereits akquiriert. Und mit der Mai-Ausgabe erhalten auch die deutschen Leserinnen ein dickeres Heft, das ab dann mit 144 Seiten daherkommt, zwölf mehr als bisher. Diese Erweiterung will Chefredakteurin Dorothee Röhrig vor allem dem Thema Wohnen zugute kommen lassen - mit dem typischen „Emotion"-Dreh: „Mein Zuhause-Gefühl". Außerdem wird die Job-Beilage „Women at Work" neu konzipiert. Die mittlerweile gefundene Positionierung des Heftes jedoch bleibt: "Emotion" will selbstbewussten, optimistischen Frauen ab 35 Jahre "psychologische Inspiration und Unterhaltung" bieten. Aus der Psychoratgeber-Ecke für Hilfesuchende ist das Magazin längst entflohen.

Neues derweil vom Gesellschafterkreis: Privatinvestor Heiner Bente ist aus privaten Gründen ausgestiegen und hat seine 28 Prozent an das Investoren-Geschwisterpaar Anke und Thomas Rippert verkauft. Anke Rippert arbeitet seitdem zugleich als Geschäftsleiterin Coaching, Online und Neue Geschäftsfelder im Verlag. Herausgeberin und Geschäftsführerin Mol hält weiterhin 72 Prozent an Inspiring Network, dem Dach des Emotion-Verlages. Als Stille Gesellschafter und Kreditgeber sind zudem die städtische Beteiligungsgesellschaft BTG in Hamburg sowie die Hamburger Sparkasse weiter mit von der Partie. rp
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