Edel Music macht Platz für neue Viva-Gesellschafter

Donnerstag, 31. Mai 2001

In Köln ist das Aufatmen förmlich zu spüren. Seit Monaten wartet Viva-Media-Chef Dieter Gorny, dass der Gesellschafter Edel Music seine Anteile verkauft. Nun ist es soweit. Gorny, die beiden Videoregisseure Rudi Dolezal und Hannes Rossacher, die zugleich Chefs der Produktionsgesellschaft Doro sind, und das Aufsichtsratsmitglied Helge Sasse haben die Anteile von 12,1 Prozent gekauft.

Damit ist Platz für einen neuen Gesellschafter, der voraussichtlich RTL heißen und diese Anteile übernehmen dürfte. Für Gorny, der die Viva-Gruppe derzeit umbaut, ist die Voraussetzung geschaffen, Viva von einem Musiksender zu einem Entertainment-Produkt zu positionieren. Das bedeutet, dass auch eine GfK-Meldung nicht mehr zu vermeiden sein dürfte.

Bereits mit dem Start der Serie SClub7 hat sich der Weg zum jugendaffinen Vollprogramm abgezeichnet. Die ursprünglichen Pläne, Viva Zwei stärker als Jugendsender auszubauen, scheinen dagegen vom Tisch. So gibt es derzeit unbestätigte Überlegungen, Viva Zwei, ehemals als Alternative-Musik-TV gegen MTV positioniert, doch eher als reine Abspielstation für Videoclips anzubieten.

Gedanken um die Zukunft im Musik-TV braucht sich Edel nun nicht mehr machen. Der Gewinn aus dem Verkauf der Viva-Anteile soll zur Tilgung der Bankverbindlichkeiten dienen. Edel, dessen Aktienkurs aktuell bei 3,75 Euro dümpelt - der Emmissionskurs lag bei 10 Euro - hat sich seit Anfang dieses Jahres ein Kostensenkungsprogramm auferlegt, das zusammen mit der Unternehmensberatung Roland Berger erstellt worden ist.

So sollen allein in Deutschland 2001 im Marketing 12 Millionen Mark eingespart werden, wobei Vertriebs- und Herstellungskosten einbezogen sind. Insgesamt konnte Edel die Herstellungskosten, die aktuell zu 76 Prozent vom Umsatz abgehen, senken. Einschränkungen hat es auch in der Expansionsstrategie von Edel gegeben. So musste der Standort Argentinien aufgegeben und eine US-Label geschlossen werden. Insgesamt wollen sich die Hamburger künftig nur noch auf die Kerngeschäftsfelder als Musikunternehmen beschränken.

Darüber hinaus wird sich bei Edel das Personalkarrussel drehen. Dem Vernehmen nach will Chris Georgi, Geschäftsführer von Edel Media & Entertainment, das Unternehmen verlassen.
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