Ebay-Kreditkarte keine Reaktion auf vermeintlichen Kundenschwund

Dienstag, 18. Dezember 2007
Die Ebay-Mastercard
Die Ebay-Mastercard

Das Online-Auktionshaus Ebay und und Deutschlands zweitgrößtes Kreditinsitut, die Commerzbank, kooperieren. Beide Unternehmen geben nun gemeinsam eine personalisierbare Mastercard heraus. Dies ist allerdings nicht Ebays Versuch, dem von mehreren Medien berichteten Kundenschwund Einhalt zu gebieten. Die von der Commerzbank und dem Online-Händler herausgegebene "Ebay-Mastercard" ist für Kunden im ersten Jahr kostenlos und wird mit einem 25 Euro-Pay-Pal-Gutschein ausgeliefert. Ab dem zweiten Jahr wird sie mit 24,90 Euro Jahresgebühr belastet. Wer mit der Karte bei Ebay einkauft, erwirbt zusätzliche Bonuspunkte, die zu einer Rabattierung bei Ebay führen. Die Herausgabe der Kreditkarte könnte vor allem in Westdeutschland neue potentielle Kunden finden sowie Bestandskunden zu weiteren Einkäufen animieren. Denn laut einer Untersuchung des Payment-Providers Pago setzen ostdeutsche Kunden beim Kauf im Internet bisher kaum Kreditkarten ein.

Ebay wehrt sich derzeit auch gegen einen in Medien kolportierten Kundenschwund. So berichtet der "Focus" von 53000 Händlern, die wegen zu hoher Einstellgebühren das Portal verlassen hätten.

Experten sehen die Geschäftsgrundlage dadurch aber nicht bedroht. "Das ist eine Bereinigungsphase, die es auch bei anderen Online-Händlern gab und gibt. Das ist definitiv nicht das Ende von Ebay", sagt Ole Damm gegenüber HORIZONT.NET. Damm ist Vorstand des Verbands des bundesdeutschen Onlinehandels (VDBO). Im VDBO sind vor allem die großen, umsatzstarken Händler vertreten.

Regelmäßig treffen sich Verbandsvertreter und Ebay-Geschäftsführung am deutschen Unternehmenssitz des Auktionshauses in Kleinmachnow bei Berlin. Dabei wurde auch immer wieder über Einstellgebühren und neue Bezahlsysteme diskutiert. Es sei allerdings schwer zu beurteilen, ob die neue Mastercard den gewünschten Erfolg bringen werde, so Damm. ,,Wir bewerten dies zunächst etwas zurückhaltend", sagt Damm.

Dass sich Ebay gegenüber Geschäfts- und Privatkunden modernisieren will, ist in der Branche bekannt. Von den weltweit 248 Millionen registrierten Ebay-Mitgliedern weltweit seien etwa zwei Drittel als Karteileichen zu bezeichnen, berichtet der "Focus", was das Unternehmen allerdings bestreitet. Doch selbst John Donahoe, Chef der Marketplace Division meint gegenüber der in Lonon erscheinenden "Financial Times", dass die Homepage derzeit aussehe wie ein Flohmarkt. Er verspricht für 2008 weitere Änderungen des Systems. Der Hintergrund: Ebay entwickelte sich in der Vergangenheit weg vom reinen Auktionshaus, hin zu einer übergreifenden Verkaufsplattform, was vielfältige Veränderungen nach sich ziehen wird.

In Deutschland sollen 24 Millionen Menschen bei Ebay mitbieten , wie eine Ebay-Sprecherin bestätigt - immerhin mehr als ein Viertel Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik. Laut Nielsen Netratings waren es im November rund 19,5 Millionen Unique User - etwa 51 Prozent der deutschen Internetnutzer. Damit steht Ebay direkt hinter Google und auch noch komfortabel vor Amazon. Nach den USA ist das Deutschlandgeschäft der wichtigste Zweig bei Ebay.

Doch Ebay will sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Denn immer mehr ehemalige "Powerseller" zogen sich resigniert vom digitalen Auktionshaus zurück, da ihnen die Gebühren für die gesamten Aufwendungen zu groß waren. Deshalb hatte Ebay bereits ab September die Einstellgebühren um bis zu 50 Prozent gesenkt. Diese zunächst bis Dezember befristete Verbesserung der Konditionen wird sehr wahrscheinlich auch im kommenden Jahr fortgeführt. Die Gebührenänderung bezog sich nur auf die Startpreis-Auktionen, nicht jedoch die Festpreisangebote, die vor allem von professionellen Händlern häufig genutzt werden. Mit diesen Methoden will Ebay die große Zunahme im Festpreissegment wieder etwas nach unten korrigieren.

Verschiedene Branchenbeobachter erwarten, dass ab dem 23. Januar das neue Modell kommuniziert werden könnte. Dann werden die Geschäftszahlen des 4. Quartals veröffentlicht, die Insidern zufolge "gut bis sehr gut" sein werden - allen Unkenrufen zum Trotz.
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