Eatsmarter.de: Warum iPhone-Nutzer die Website nicht brauchen

Montag, 11. Januar 2010

Das Jahr hat kaum begonnen, doch mittlerweile dürfte auch jedem Nicht-iPhone-Nutzer klar sein: Digitale mobile Anwendungen, egal ob auf dem Internet-Protokoll basierend oder nicht, werden für Marketing, Agenturen und Medien eines der zentralen Themen des Jahres. Dabei muss man gar nicht die ganz großen internationalen Geschichten im Auge haben: Google vs. Apple (Handy), Apple vs. Microsoft und Co (Tablet-PC), Paid Content vs. Kostenlos. Auch bei  vermeintlich kleinen Meldungen stellt sich schnell die „Systemfrage". Die  Versuche von Axel Springer, den von Vorstandschef Mathias Döpfner geforderten „Paradigmenwechsel" von kostenlos zu Paid Content vor allem im Bereich der iPhone-Apps durchzusetzen, findet auch unsere Zustimmung - ungeachtet der teilweise schrillen Begleittöne Richtung Kostenlos-Vertretern („ideologisch verwirrte Web-Kommunisten" etc.). So weit die Vorrede.


Dirk Manthey, verdienter Verleger und immer noch kreativer Kopf, hat heute das Essensportal Eatsmarter.de (nicht zu verwechseln mit Eatsmarter.net) gelauncht - eine sehr schön aufbereitete Rezeptsammlung und Kochanleitung für den Smart Eater dieser Tage. Motto: „Willkommen bei Deutschlands großem Portal für gesunde und leichte Ernährung." Werbung soll die Site und das Acht-Mann-Team finanzieren.

Begleitet wurde der Launch der Website mit einer ebenfalls traumhaft schönen iPhone-Applikation. Die kann sich jeder iPhone-Besitzer für lau auf sein Apple-Tool downloaden.

Für Herrn Döpfner wäre das ein Graus. Doch weil Manthey nach eigener Aussage nur in Ausnahmefällen an Paid Content glaubt, gibt es die App kostenlos. Als Hobbykoch hat es mich persönlich gefreut, die 1000 Rezepte auf mein Handy zu laden. Als Chefredakteur halte ich die Manthey-Strategie für einen Fehler. Wer einmal das kostenlose App geladen hat, braucht die (werbefinanzierte) Website eigentlich nicht mehr. Wer sich künftig samstags am Frühstückstisch überlegt, was am Wochende gebruzzelt werden soll, braucht künftig weder Jamie-Oliver-Bücher und seine „genialen Rezepte" (Eigendarstellung), er muss auch nicht mühsam den Rechner anwerfen, um Chefkoch.de oder Eatsmarter.de abzusuchen. Nein, es genügt, das iPhone neben das Frühstücksei und die Morgenzeitung zu legen - und nach dem ersten Cappuccino gemütlich in der App zu surfen.

Es heißt doch immer, für gute Anwendungen würden Nutzer gerne bezahlen. Diese Chance hat der umtriebige Manthey nicht nutzen wollen - schade. vs
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