EU-Kommissarin Reding: Keine neuen Werbeverbote / Rahmenbedingungen für Product Placement

Montag, 26. September 2005

Die EU-Kommissarin für Medien und Informationsgesellschaft, Viviane Reding, hat sich gegen weitere Werbeverbote ausgesprochen. "Solange ich EU-Kommissarin in Brüssel bin, wird es keine Vorschläge für neue Werbeverbote geben", sagte sie heute vor rund 500 Zuhörern beim Zeitungskongress des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) in Berlin.

Zwar könne sie theoretisch als einzelne von ihren 24 Kollegen überstimmt werden, neue Strukturen in Brüssel verhindern dies jedoch in der Praxis, so Reding. In ihrem Haus ist eine Task Force für Medienfragen angesiedelt, die neue Vorschläge vorab unter die Lupe nehmen soll. "Dieser Mechanismus verhindert, dass nicht einmal Entwürfe für neue Verbote vorgelegt werden", sagt Reding.

Bestehende Gesetze will sie lockern. Aktuell sorgte Reding mit den Plänen, Product Placement im Fernsehen zu erleichtern für Aufregung. Das Vorhaben, die zugrundeleigende EU-Fernsehrichtlinie anzupassen, stößt unter anderem bei den Verlegern auf Widerstand. Reding wehrt sich gegen die Verhinderungsbestrebungen der Printmedien. Man könne nicht von ihr verlangen, einerseits die Printmedien gegen Wettbewerbsverbote zu verteidigen, aber im TV an veralteten Regelungen festzuhalten.

Während Schleichwerbung generell verboten ist und auch bleiben soll, findet Product Placement gegenwärtig in einer rechtlichen Grauzone statt. Noch liegt kein ausformulierter Vorschlag für eine veränderte Richtlinie vor. Reding plädierte jedoch dafür, dass Product Placement in Nachrichten, Reportagen und Dokumentationen grundsätzlich verboten bleibt, da der Schutz der Unabhängigkeit des redaktionellen Inhalts vorgehe. In Kino- und Fernsehfilmen sowie in Serien will Reding Product Placement dagegen zulassen, wenn der Zuschauer deutlich darauf hingewiesen wird. Der Blick nach Österreich zeige, dass "solche Regelungen möglich sind, ohne dass das christliche Abendland untergeht", so Reding. Für die europäische Filmwirtschaft erhofft sie sich Impulse, wenn den Filmemachern eine weitere Erlösquelle durch das Product Placement bereit gestellt wird. pap
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