EU-Kartellverfahren: Microsoft gerät erneut unter Druck

Dienstag, 17. Juli 2012
In Erklärungsnot: Microsoft-Boss Steve Ballmer
In Erklärungsnot: Microsoft-Boss Steve Ballmer

Vergangene Woche war die Welt von Microsoft bei einer Konferenz in Toronto noch in Ordnung. Das neue Betriebssystem Windows 8 ist in den Startlöchern, das Interesse am Tablet Surface großartig, die Stimmung im Konzern gut. Doch das dürfte sich seit heute ändern. Die EU hat ein Kartellverfahren gegen Microsoft eingeleitet. Der Softwareriese soll Usern auf Windows-Rechnern nur den Internet Explorer  (IE) als Browser angeboten haben. Genau das hatte Microsoft im Jahr 2009 nach einer Auseinandersetzung mit der europäischen Behörde versprochen zu ändern. Und das gelang wohl nicht umfassend. Zwar hat der Konzern in Europa den Usern Updates zur Verfügung gestellt, die einen Auswahlbildschirm beinhalteten, aber nach EU-Recherchen eben nicht für alle Versionen. Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia spricht in einer Pressemitteilung von "Millionen von Nutzern", die möglicherweise keine Auswahlmöglichkeit hatten. Der Marktanteil von Rechnern mit dem Windows-Betriebssystem liegt europaweit bei mehr als 90 Prozent.

Microsoft selbst gibt sich bereits zerknirscht. "Aufgrund eines technischen Fehlers haben wir es verpasst, den Browser-Wahlbildschirm auf PCs zu bringen, die mit dem Service Pack 1 für Windows 7 ausgeliefert wurden", erklärt das Technologie-Unternehmen. Derzeit arbeitet der Konzern daran, das Problem bis Ende der Woche zu beheben. Ob das als Entschuldigung ausreicht und die EU-Kommission besänftigt, bleibt fraglich. Almunia will alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um einen Verstoß von Microsoft zu belegen. "Wir nehmen die Umsetzung unserer Entscheidungen sehr ernst", sagt der Kommissar.

Bereits im Jahr 2008 hatte die EU-Kommission Microsoft zu einer Strafzahlung von 900 Millionen Euro verdonnert, die erst vor wenigen Wochen das EU-Gericht auf 860 Millionen reduziert hat. Jetzt droht dem US-Unternehmen erneut eine saftige Strafe. mir
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