EBU übt scharfe Kritik an Abschaltung des griechischen Rundfunks

Donnerstag, 13. Juni 2013
Bilder des letzten Sendetages von ERT vor der Abschaltung
Bilder des letzten Sendetages von ERT vor der Abschaltung


Die zwangsweise Abschaltung des staatlichen Rundfunks in Griechenland stößt weiter auf scharfe Kritik. Die Europäische Rundfunk-Union EBU appellierte in einem offenenen Brief an den griechischen Premier-Minister, die Schließung des EBU-Gründungsmitglieds ERT rückgängig zu machen. Griechische Journalisten traten am Mittwoch aus Solidarität in einen 24-stündigen Streik, in Athen demonstrierten Tausende Menschen gegen die Schließung des Rundfunks. Die Mitarbeiter geben sich unterdessen kämpferisch und halten den Sendebetrieb im Internet aufrecht.
"Die gesamte europäische Rundfunkgemeinschaft ist geschockt über die Entwicklung in Griechenland", heißt es in einem offenen Brief von EBU-Präsident Jean-Paul Philippot und Generalsekretärin Ingrid Deltenre an den griechischen Ministerpräsident Antonis Samaras. Die Existenz eines unabhängigen öffentlichen Rundfunks sei ein Kernelement demokratischer Gesellschaften, tiefgreifende Änderungen am dürften daher nur nach einer öffentlichen und demokratischen Debatte erfolgen und nicht durch eine einfache Entscheidung zweier Minister. Man appelliere daher an den Premierminister, seine Entscheidung umgehend rückgängig zu machen. Samaras hatte ERT per Ministererlass schließen lassen.

Unterdessen halten Mitarbeiter des staatlichen Rundfunks die ERT-Zentrale in Athen weiter besetzt und versuchen, den Sendebetrieb über das Internet notdürftig aufrechtzuerhalten. Der Hauptsendemast in der Nähe von Athen wurde von der Polizei abgeschaltet. Die Website war am Donnerstag ebenfalls nicht mehr erreichbar.

Am Mittwoch traten die Journalisten in Griechenland aus Solidarität mit ihren Kollegen bei ERT in einen 24-stündigen Streik. Am Donnerstag sollten aus diesem Grund auch keine Zeitungen erscheinen. Vor der ERT-Zentrale demonstrierten außerdem Tausende Bürger gegen die Abschaltung des staatlichen Rundfunks. Die Regierung hält indes weiter an ihren Plänen fest: Ende August soll der staatliche Rundfunk in einer deutlich verschlankten Version und nur noch 1200 Mitarbeitern neu an den Start gehen. dh
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