DuMont gegen Springer: "Döpfners Strategie ist nicht nachvollziehbar"

Mittwoch, 14. April 2010
Konstantin Neven DuMont holt zum Gegenschlag aus
Konstantin Neven DuMont holt zum Gegenschlag aus

Die Fronten auf dem Berliner Zeitungsmarkt verhärten sich. Nachdem Axel Springer gestern bekannt gegeben hat, unter dem Titel "B.Z. am Abend" in drei Osterberliner Bezirken eine abgespeckte Variante der Boulevardzeitung "B.Z." für 40 Cent zu testen, holt der Verlag M. DuMont Schauberg zum Gegenschlag aus. Das Kölner Medienhaus sieht in dem Markttest einen Frontalangriff auf seinen Titel "Berliner Kurier", der traditionell im Ostteil Berlins stark ist und vor dem Mauerfall unter dem Label "BZ am Abend" erschien. Auf Anfrage von HORIZONT.NET ätzt Konstantin Neven DuMont, Vorstand von M. DuMont Schauberg: "Wir können die Strategie des Axel Springer Verlages nicht nachvollziehen. Einerseits proklamiert Mathias Döpfner die publizistische Notwendigkeit, zukünftig im digitalen Bereich Inhalte an die Nutzer zu verkaufen, andererseits soll nun eine Tageszeitung mit einem 33-prozentigen Preisnachlass angeboten werden. Wir glauben nicht, dass der Axel-Springer-Verlag damit Erfolg haben wird. Im Zweifel werden auf beiden Seiten unnötige Ressourcen verschwendet. Zukünftig brauchen Verlage möglichst viele Finanzmittel, um ansprechende Inhalte auf elektronischen Endgeräten zu vermarkten." Zudem kündigt der Verlagsmanager an, schon bald mit einem Titel im Westberliner Markt an den Start gehen zu wollen, also im Revier des Rivalen.

Springer selbst wiegelt ab. Ein Unternehmenssprecher betonte gestern gegenüber HORIZONT.NET, dass der Markttest nicht als Angriff auf den Wettbewerber zu verstehen sei. Es gehe lediglich darum, neue Leserpotenziale auszuloten. Zudem sei eine räumliche Ausweitung des Tests über die drei Bezirke hinaus nicht geplant. Laut IVW hat die "B.Z." im 4. Quartal 2009 eine verkaufte Auflage von rund 167.000 Exemplaren erzielt. Der "Berliner Kurier" meldet knapp 113.000 Verkäufe. bn
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