DuMont-Vorstand Franz Sommerfeld nennt Zeitplan für weiteren Umbau

Donnerstag, 04. Februar 2010
Franz Sommerfeld wehrt sich gegen den Verdacht der Tarifflucht
Franz Sommerfeld wehrt sich gegen den Verdacht der Tarifflucht

Sobald die Worte Bündelung und Reporterpool fallen, besteht sofort der Verdacht auf betriebsbedingte Kündigungen. Kein Wunder, haben doch in den aktuellen Wirtschaftskrise bereits einige Verlage ihre Redaktionen zusammengeführt, um zu sparen. Daher protestierten auch sofort die Gewerkschaften als Ende vergangener Woche die Pläne der Kölner Verlagsgruppe M. DuMont Schauberg (MDS) für eine zentrale Reporterfirma bekannt wurden. Die Kritik war offenbar unberechtigt, denn wie MDS betont, wird es im Zuge des Umbaus keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Unter dem Namen DuMont Redaktionsgemeinschaft soll bis Ende April ein Journalistenpool an den Start gehen, der die Abo-Titel "Frankfurter Rundschau", "Berliner Zeitung", "Mitteldeutsche Zeitung" und "Kölner Stadt-Anzeiger" mit Beiträgen zu den Themen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik beliefert. Die Ressorts sollen wie bisher bestehen bleiben. Im Interview mit HORIZONT.NET erklärt Franz Sommerfeld, Mitglied des MDS-Vorstands, die konkrete Umsetzung im Redaktionsalltag. Außerdem verrät er, dass auch in den Verlagsbereichen schon bald Umbaumaßnahmen folgen sollen. bn

Wie soll die Aufgabenteilung zwischen den Redaktionen der Abo-Titel und der DuMont Redaktionsgemeinschaft konkret aussehen?
Franz Sommerfeld: Die Redaktionen verantworten weiterhin an den jeweiligen Standorten die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Berichterstattung ihrer Zeitungen. Über größere, rechercheaufwändige Themen werden Autoren aus der Redaktionsgemeinschaft schreiben. Natürlich wird nicht jede Redaktion  jeden Text in Anspruch nehmen. Die Redaktionen entwickeln gemeinsam mit der Redaktionsgemeinschaft Themen und verständigen sich über die Art und Weise der Aufbereitung.

Wenn diese Abstimmung bei jedem Thema neu erfolgen muss, bedeutet das doch sicher einen hohen organisatorischen Aufwand.
Schon jetzt tauschen sich die Redaktionen der Abo-Titel jeden Morgen in einer Schaltkonferenz darüber aus, welche Themen für sie aktuell wichtig sind. Wenn bei dieser Konferenz künftig auch die Redaktionsgemeinschaft zugeschaltet ist, glaube ich nicht, dass das so viel komplizierter wird.

Wie steht es angesichts der redaktionellen Bündelung um die politische Ausrichtung der Blätter?
Daran wird sich nichts ändern. Sie werden in der "Frankfurter Rundschau" zur FDP-Politik auch in Zukunft einen deutlich anderen Kommentar lesen als im "Kölner Stadt-Anzeiger". Wir behalten die politische Ausrichtung der Titel nicht nur aus publizistischem Altruismus bei, sondern weil sie in unterschiedlichen Märkten publiziert werden und wir diesen spezifischen Ansprüchen auch genügen müssen. Es wäre aus wirtschaftlichen Gründen nicht sinnvoll, diese Unterschiede einzuebnen. Wir glauben nämlich, dass die regionalen Märkte noch an Gewicht gewinnen werden. Im Internetzeitalter machen die allgemeinzugänglichen Informationen nicht das Alleinstellungsmerkmal aus. Es sind die unterschiedlichen Angebote für die Regionen, die den USP einer Zeitung darstellen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Franz Sommerfeld zum Vorwurf des Lohndumpings sagt


Im Vorfeld haben sich die Gewerkschaftsvertreter angesichts der Pläne für die Reporterfirma besorgt gezeigt. Was sagen Sie zur Angst vor Lohn-Dumping?
Wir werden keine Tarifflucht vornehmen, sondern die aus den DuMont-Verlagen stammenden Mitarbeiter werden in der Redaktionsgemeinschaft zu den gleichen Konditionen weiterarbeiten wie bisher. Zudem sichern wir ihnen ein uneingeschränktes Rückkehrrecht zu. Für den Fall, dass die Redaktionsgemeinschaft aufgelöst wird oder es dort betriebsbedingte Kündigungen gibt, hat jeder Mitarbeiter das Recht, unbefristet in seine bisherige Redaktion zurückzukehren.

Eines der Ziele der neuen Gesellschaft ist auch, Doppelt- und Dreifacharbeit zu vermeiden. Wie viel wollen Sie einsparen?
Im Mittelpunkt unseres Denkens stehen nicht Einsparungen. Das Hauptziel, das wir mit der Gründung der Redaktionsgemeinschaft verfolgen, ist tatsächlich, den Qualitätsanspruch unserer Berichterstattung in zentralen Feldern zu verbessern. Wenn das dazu führt, dass in Zukunft zum SPD-Parteitag nicht mehr vier Leute hinfahren, sondern nur  noch zwei, ist das erfreulich. Außerdem werden wir weiterhin nicht jede Stelle neu besetzen, die durch Fluktuation frei wird. Dass wir solche Effekte nutzen, haben wir von Anfang an gesagt.

Könnte es sein, dass die Redaktionsgemeinschaft neben den Themen Politik, Gesellschaft und Wirtschaft bald auch andere Bereiche übernimmt?
Das halte ich für schwierig. Wenn Sie sich zum Beispiel das Ressort Sport anschauen, sind 70 Prozent der Beiträge regional geprägt. Wenn der 1. FC Köln gegen Eintracht Frankfurt gewonnen hat, dann kann darüber nicht ein Redakteur zusammen für beide Titel in Frankfurt und Köln berichten. Bei aller Nüchternheit der Berichterstattung zeigt sich doch im Sport sehr viel Empathie. Dagegen stimmen wir uns bei nationalen Themen wie zum Beispiel Formel 1 und Tour de France jetzt schon ab, welche Zeitung mit wie vielen Mitarbeitern bei einem Termin vertreten ist. Das werden wir so beibehalten. Ähnlich ist es beim Feuilleton. Auch hier steht die örtliche Berichterstattung bei den einzelnen Titeln im Mittelpunkt. Ein Interview beispielsweise mit Microsoft-Chef  Bill Gates wurde natürlich in allen vier Blättern veröffentlicht.

Sind weitere Synergieschritte zum Beispiel im Verlagsbereich geplant?
Es gibt eine Reihe von Gruppen, die daran arbeiten. Dieser Prozess ist noch in vollem Gange. Hier haben wir einen vielleicht etwas altmodisch erscheinenden Weg gewählt: Die Mitarbeiter der einzelnen Standorte setzen sich zusammen an einen Tisch und suchen nach Möglichkeiten für Synergien. Auf Unternehmensberater von außen haben wir dagegen weitgehend verzichtet.

Wie sieht der Zeitplan aus?
Ich denke, im Lauf des ersten Halbjahres, auf jeden Fall in diesem Jahr, werden wir die Ergebnisse Stück für Stück bekannt geben können.

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Mehr zu diesem Thema lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 5/2010 vom 4. Februar 2009. 

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Die Abo-Titel werden durch die Redaktionsgemeinschaft enger verzahnt. Wie steht es um die Synergiemöglichkeiten bei den Kauftiteln Kölner "Express", "Berliner Kurier" und "Hamburger Morgenpost"?
Bei den Kauftiteln gibt es auch jetzt schon eine enge Zusammenarbeit. Interessante Themen finden in allen Zeitungen statt. Auch hier gibt es morgens eine Konferenz, in der überlegt wird, wer welche Themen von wem übernimmt. Und das wollen wir auch weiter fortsetzen.

Dass diese Zusammenarbeit ausgebaut wird - zum Beispiel in Form einer Redaktionsgemeinschaft wie bei den Abo-Titeln -, ist nicht angedacht?
Es gibt natürlich Bereiche wie Serviceinhalte, bei denen wir eng kooperieren können. Aber die Zusammenarbeit stößt schnell an ihre Grenzen. Im Unterschied zur "Bild"-Zeitung überwiegt bei unseren Boulevardtiteln der regionale Anteil. Da wir das nicht aufgeben wollen, wäre hier eine Redaktionsgemeinschaft nicht sinnvoll.

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