DuMont-Managerin Springensguth: "Keine Bezahlschranke für normalen Online-Content"

Freitag, 26. November 2010
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Der Kölner Verlag M. DuMont Schauberg (MDS) will in den kommenden zwei Jahren die Internetauftritte seiner Tageszeitungen überarbeiten. Dies verrät Silke Springensguth im Interview mit HORIZONT.NET. Als Geschäftsführerin von DuMont Net koordiniert sie die Vermarktung und Weiterentwicklung der Online-Auftritte der Mediengruppe. "Derzeit rollen wir für einen Standort nach dem anderen ein verlagsübergreifendes Content-Management-System aus. Im Zuge dessen werden wir die Gelegenheit für ein Redesign des Online-Angebots nutzen", sagt die Managerin. Nachdem die Onlineplattformen der Titel "Express" und "Frankfurter Rundschau" (FR) erneuert wurden, sollen als nächstes die "Hamburger Morgenpost" und der "Berliner Kurier" folgen. Zudem sollen im kommenden Jahr sämtliche Printmarken des Verlags ein eigenes Angebot für das iPad starten. Derzeit sind die MDS-Tageszeitungen "FR" und "Kölner Stadt-Anzeiger" mit Apps auf dem Markt. Das Interesse der Werbekunden ist laut Springensguth zwar bereits sehr groß, bis man wirklich Geld damit verdiene, werde es aber noch dauern: "Sicher wird es jetzt noch nicht gelingen, aus der App einen profitablen Business Case zu machen." Das sei aktuell jedoch nicht das Ziel. Vielmehr gehe es darum, früh Erfahrungen zu sammeln.

Mit den aktuellen Projekten ist MDS aus seinem digitalen Dornröschenschlaf erwacht, denn der Verlag hat das Thema Digitalisierung in den vergangenen Jahren an einigen Stellen schleifen lassen. Längst überfällige Projekte wie zum Beispiel die Modernisierung des Internetauftritts der "Frankfurter Rundschau" (FR) wurden immer wieder verschoben, sodass die Website nun in der Reichweite weit abgeschlagen ist. Doch Springensguth ist zuversichtlich, dass nach der Modernisierung im Sommer nun auch die Zugriffszahlen steigen werden. bn

Silke Springensguth leitet DuMont Net seit Februar 2008
Silke Springensguth leitet DuMont Net seit Februar 2008

"Es wird keine Bezahlschranke für normalen Online-Content geben"

Die iPad-App des "Kölner Stadt-Anzeigers" ist nach Angaben des Verlags M. DuMont Schauberg bundesweit die erste Anwendung einer Regionalzeitung auf dem Apple-Gerät. Lohnt es sich angesichts der bislang noch geringen Marktdurchdringung des iPad überhaupt, schon jetzt ein Angebot für eine bestimmte Region zu starten?
Wir sind früh mit dieser Testphase dran, das gebe ich zu. Sicher wird es jetzt noch nicht gelingen, aus der App einen profitablen Business Case zu machen. Aber darum geht es uns jetzt auch noch nicht. Sondern je eher wir Erfahrungen mit Tablet-PCs sammeln, desto besser können wir mit den anderen Titeln des Verlags im nächsten Jahr die richtigen Wege gehen. Außerdem wollen wir nicht die Zielgruppe der Zeitung in das iPad konvertieren. Sondern wir wollen mit dem Gerät Zielgruppen ansprechen, die nicht den Printtitel lesen. Zudem gibt es viele gebürtige Kölner, die nicht mehr in der Stadt leben, aber noch sehr an ihr hängen und sich für regionale Nachrichten weiterhin interessieren. Auch diejenigen wollen wir mit der App ansprechen.

Im Sommer ist die iPad-App der "Frankfurter Rundschau" gestartet, die jüngst den European Newspaper Award gewonnen hat und viel Lob von den Experten erntet. Allerdings nennen diese einen Kritikpunkt: Die App sei zu aufwendig, um sie profitabel zu betreiben. Was entgegnen sie denen?
Natürlich ist der Aufwand sehr hoch, da es sich um ein eigenständiges Produkt handelt und nicht um die iPad-Version des E-Papers. Aber es lohnt sich, da wir sehr viel positive Resonanz von den Nutzern bekommen, wie die Kommentare im iTunes-Store zeigen. Darin wird deutlich, dass wir uns durch das qualitativ hochwertige Angebot von den Wettbewerbern abgrenzen können und das wird sich irgendwann auszahlen.

Welche Ziele müssen denn mit der App der "FR" und des "Kölner Stadt-Anzeigers" erreicht werden, damit auch die anderem DuMont-Tageszeitungen auf den Tablet-PC kommen?
Es geht nicht um die Frage, ob die anderen Printmarken überhaupt eine App starten werden. Dessen sind wir uns bereits sicher. Sondern es geht in den Tests darum herauszufinden, für welche Titel welcher Aufwand richtig ist. Entwickeln wir für die anderen Tageszeitungen jeweils ein komplett eigenständiges Produkt für das iPad wie im Fall der "Frankfurter Rundschau"? Oder soll sich das Angebot doch eher an der App des "Kölner Stadt-Anzeigers" orientieren, das stärker an der Printausgabe angelehnt ist.

Welche ersten Erkenntnisse haben Sie inzwischen gewonnen, was die inhaltliche Gestaltung und auch die Werbevermarktung der Apps betrifft?
Leider bietet Apple derzeit noch keine Reportingmöglichkeiten dazu, welche Inhalte in einer App wie stark genutzt werden und wie groß die Zugriffsraten auf Werbeformen sind. Daher haben wir eine Studie gemacht, bevor die Demo-Versionen unserer Anwendungen gestartet sind. Diese werden wir in ein paar Monaten wiederholen, wenn der Markt sich weiter entwickelt hat. Dann kann ich mehr verraten. Was allerdings in der Vermarktung schon jetzt deutlich wird, ist, dass wir bei unseren Werbepartnern damit auf offene Ohren stoßen. Unser erster Eindruck ist nämlich, dass sich die Nutzer sehr stark mit den Werbeformen auseinandersetzen. Das liegt sicherlich auch daran, dass wir interaktive Werbeformate speziell für das iPad entwickelt haben. Noch ist die Reichweite nicht groß genug für eine Stand-alone-Vermarktung, weshalb wir unsere Apps im Rahmen von Crossmedia-Paketen anbieten.

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Silke Springensguth leitet DuMont Net seit Februar 2008
Silke Springensguth leitet DuMont Net seit Februar 2008
Neben den Apps für das iPad und andere Tablet-PCs gehören auch die Internetauftritte der DuMont-Tageszeitungen zu Ihren Baustellen. Im Sommer wurde der Internetauftritt der "FR" nach mehrmaligem Aufschieben modernisiert. Was sind die Ziele in Bezug auf die Zugriffszahlen - immerhin ist die Website in der Reichweite gegenüber der Konkurrenz weit abgeschlagen?
Die Reichweitenziele legt die Verlagsführung am Standort Frankfurt fest. Deshalb kann ich konkret dazu nichts sagen. Fest steht auf jeden Fall, dass wir uns steigern wollen. Man muss in Bezug auf die "FR" auch wissen, dass eine Reichweitensteigerung mit dem alten Content-Management-System nicht möglich war. Das ist nun anders: Die Website ist besser für Suchmaschinen optimiert und das Layout wirkt deutlich lockerer. Aber der neue Auftritt ist erst vor zwei Monaten gestartet. Und man muss dem Angebot Zeit geben, sich zu steigern.

Wann werden die Internetauftritt der anderen DuMont-Tageszeitungen folgen?
Derzeit rollen wir für einen Standort nach dem anderen ein verlagsübergreifendes Content-Management-System aus. Im Zuge dessen werden wir die Gelegenheit für ein Redesign des Onlineangebots nutzen. Nachdem die Websites der Titel "Express" und "FR" bereits umgebaut wurden, sollen als nächstes die "Hamburger Morgenpost" und der "Berliner Kurier" folgen. Es wird insgesamt zwei Jahre dauern bis alle Titel im Netz überarbeitet sind.

Neben der Reichweitensteigerung besteht ein weiteres Ziel darin, die Wirtschaftlichkeit der Internetangebote zu verbessern. Was heißt das konkret?
Das heißt, dass wir zum einen die Werbeerlöse steigern wollen, die nach der Konjunkturkrise nun auch wieder wachsen. Zum anderen wollen wir neue Geschäftsfelder wie E-Commerce erschließen.

Einsparungen sind im Online-Bereich aber nicht geplant.
Nein, wir investieren in den Bereich.

Wie wollen Sie das Thema E-Commerce angehen?
Wir integrieren Services auf unseren Seiten, an deren Einnahmen wir beteiligt werden. Zum Beispiel gibt es auf der Internetplattform des "Express" einen Anwaltsbereich. Hier kann der User eine Frage eingeben und wird dann an einen passenden Anwalt weiterverwiesen. Und weil wir das Geschäft vermittelt haben, bekommen wir daraus Erlöse.

Gibt es auch Pläne, den Paid-Content-Bereich auszubauen?
Wir haben damit erste Versuche gemacht, indem wir einzelne Bündel von Inhalten kostenpflichtig angeboten haben. Wir haben zum Beispiel ein gedrucktes Plätzchenheft zu Weihnachten herausgegeben und das kann man auch als PDF kostenpflichtig im Netz downloaden.

Die Paid-Content-Pläne betreffen also nur Sonderthemen?
Wir denken derzeit nicht darüber nach, den normalen Content online hinter eine Bezahlschranken zu stellen. Auf dem iPad schon, aber nicht auf dem Internetportal.

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Mehr zur aktuellen Situation bei M. DuMont Schauberg lesen Abonnenten in der aktuellen HORIZONT-Ausgabe 47 vom 25. November 2010.

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Besteht nicht gerade im lokalen Markt eine Chance, die Inhalte zu verkaufen - DuMont genießt doch insbesondere im Kölner Raum eine starke Stellung.
In den Gazetten steht zwar immer drin, dass wir das Monopol in Köln haben, aber das stimmt so nicht. Es gibt hier Städteportale wie Koeln.de, Meinestadt.de, Nachrichtenkompilierer und viele kleine Anbieter. Wenn wir unsere lokalen Inhalte kostenpflichtig machen würden, dann würden sehr schnell andere Onlineportale diese Nachrichten gratis zur Verfügung stellen. Das hätte für uns nur Trafficverluste zur Folge. Daher besteht die Lösung darin, dass wir unsere Inhalte auf Tablet-Angeboten verkaufen. Hierbei kann man durchaus überlegen, das Online-Angebot zu zugunsten der kostenpflichtigen iPad-Version zu reduzieren. bn

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