DuMont-Digitalchef Wölke: "Wir investieren Millionenbetrag in Mobile"

Donnerstag, 04. Juli 2013
Patrick Wölke, 38, ist seit Juni 2012 Geschäftsführer von DuMont Net
Patrick Wölke, 38, ist seit Juni 2012 Geschäftsführer von DuMont Net


"Sein Aufgabenbereich gehört zu den Geschäftsfeldern, auf denen die Zukunft unseres Unternehmens und die der gesamten Medienbranche entschieden wird" - das ließ der Vorstand der Mediengruppe M. DuMont Schauberg im Juni 2012 verlauten, als Patrick Wölke als neuer Geschäftsführer von DuMont Net seinen Schreibtisch bezog. Seitdem ist der digitale Bereich eines der traditionsreichsten Zeitungsverlage in Deutschland von 20 auf 40 Leute angewachsen, die Websites von "Kölner Stadt-Anzeiger", "Berliner Zeitung" und Co haben eine einheitliche Infrastruktur erhalten, die Apps der Tageszeitungen sind rentabel. Und dabei fängt Wölke eigentlich erst an: mit der großen Mobiloffensive, die sich über alle Titel des Hauses erstreckt.
Herr Wölke, Sie sind seit etwas mehr als einem Jahr Geschäftsführer bei DuMontNet. Was ist in den vergangenen Monaten alles passiert?
Wir sind von 20 auf 40 Leute innerhalb eines Jahres gewachsen - und mit uns die Umsätze. Was uns leitet, ist zum einen die Idee des plattformunabhängig denkenden Multimedia-Redakteurs, zum anderen das ganz klare Bekenntnis, dass perspektivisch nicht nur mit dem Beteiligungsgeschäft, sondern auch mit Inhalten im Internet Geld zu machen ist.

Sie sprechen von Paid Content?
Wir glauben auch in der digitalen Welt fest an das Zwei-Säulen-Modell aus Vermarktungs- und Vertriebserlösen. Wir sind aber auch realistisch: Den Markt der Vertriebserlöse gibt es aktuell in Deutschland noch nicht. Deshalb kommt das Thema Paid Content im Web bei uns eher im Jahr 2014 als 2013. Da sind wir relativ entspannt, denn nicht der Erste, der von Free auf Paid umstellt, muss auch der Gewinner sein. Was klar ist: Bei uns werden auf jeden Fall die journalistischen Inhalte im Mittelpunkt des Angebots stehen, keine Fußballrechte. Es ist nicht zielführend, das Thema Zahlungsbereitschaft für journalistische Inhalte immer wieder zu umschiffen.

Das Mobilportal des "Express"
Das Mobilportal des "Express"
Sie haben eine große Mobiloffensive angekündigt. Was steckt dahinter?

Wir investieren in diesem Jahr einen Millionenbetrag in den Bereich Mobile. Wir konzipieren Produkte, die in einem sehr überschaubaren Zeitraum einen Überschuss abliefern werden. Dabei folgen wir drei Säulen: Zum einen erstellen wir in den nächsten Wochen für alle unsere Titel mobile-enabled Websites, zum anderen überarbeiten wir unsere Apps hinsichtlich Nutzerfreundlichkeit und Wirtschaftlichkeit. Die dritte Säule ist die größte Herausforderung: Wir entwickeln neue Geschäftsmodelle und Werbeformate, die besser zur mobilen Nutzung passen. Den Fehler, Anzeigenformate einfach vom einen auf das andere Medium zu übertragen, dürfen wir als Branche nicht ein zweites Mal machen. Wenn alles gut läuft, können wir den lokalen Einzelhändlern mit unseren mobilen Produkten die Läden voll machen.

Und wie kann man sich das konkret vorstellen?
Unsere Mobilevermarktung besteht aus drei Ebenen. Die Basis bilden alle Standardwerbeformen, die die OMS national für uns vermarktet. Dann folgen individuelle Angebote und Sonderformate, die wir für unsere lokalen Partner erstellen. Der dritte Bereich ist der spannendste und eine Art i-Tüpfelchen aus Mobile- und Geo-Targeting sowie Couponing. Bis Ende des Jahres werden wir damit so weit sein.

Die App der "Berliner Zeitung"
Die App der "Berliner Zeitung"

Glauben Sie nicht, es könnte schwierig werden, den lokalen Autohändler um die Ecke von Couponing zu überzeugen?

Seit Jahren haben wir durch unsere Printprodukte gute Kundenbeziehungen. Die müssen wir jetzt nutzen und unsere Leser mitnehmen in die digitale Welt. Deshalb suchen wir das direkte Gespräch. Es geht nicht darum, wie viele Pixel auf einer Plattform der Werbungtreibende bekommt. Es geht darum, den Leser zu begeistern und nicht mit Werbung zu überfrachten und gleichzeitig funktionierende Lösungen für unsere Werbekunden zu liefern. Das können wir, das ist unser Brot- und Butter-Geschäft, und es gilt insbesondere für mobile Kanäle.

Bei der "Mitteldeutschen Zeitung" verfolgen Sie einen anderen Ansatz. Unter dem Motto "Marketing first" wollen Sie erst Erfahrung sammeln, dann investieren.
Hier probieren wir einen völlig neuen Ansatz aus. Wir investieren relativ wenig Geld, insgesamt 10.000 Euro, in eine attraktive E-Paper-App und testen diese in acht verschiedenen Kombinationen und Preisen in acht verschiedenen Zielgruppen. Etwa bei Lesern, die ihr Printabo gekündigt haben, oder in Gebieten, in denen uns die Zeitungszustellung sehr teuer kommt. Wir wollen erst Erfahrung sammeln - und dann richtig investieren. Und nicht anders herum.

Was können wir in den nächsten Wochen von DuMont Net noch erwarten?
Auch wenn die Stärke der Verlage bislang im Umgang mit Inhalten lag, sollten wir genau hinschauen, wie andere Branchen auf die digitale Herausforderung reagieren, zum Beispiel Konsumgüterhersteller, oder noch besser, kleine Start-ups. Deren unternehmerisches Denken ist für uns sehr wichtig. Im Prinzip ist auch die DuMont Net eine Art Start-up im großen Konzern, aber wir wollen den ganzen Konzern für unser Denken gewinnen. Wir verstehen uns als digitale Triebzelle. Wir haben gute Ideen und den Mut, kulturelle Änderungen umzusetzen. kl
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