DuMont-Chefredakteure begrüßen Rauswurf von Konstantin Neven DuMont

Dienstag, 30. November 2010
Konstantin Neven DuMont
Konstantin Neven DuMont

Seit sechs Wochen tobt der über die Medien ausgetragene Streit zwischen Konstantin Neven DuMont und seinem Vater Alfred. Nun schalten sich die Chefredakteure der sechs Zeitungen ein, die die Mediengruppe M. DuMont Schauberg (MDS) verlegt. "Aus Respekt gegenüber der Person und aus Loyalität gegenüber dem Unternehmen und seinen Gesellschaftern haben wir in der Öffentlichkeit bisher keine Stellung genommen. Allerdings ist Loyalität aus unserer Sicht eine Verpflichtung auf Gegenseitigkeit", schreiben sie. Konstantin Neven DuMont sei seiner Verpflichtung nicht nachgekommen und habe die selbstverständlichsten Regeln gebrochen. "Wir stehen zu den Beschlüssen des Aufsichtsrats, Konstantin Neven DuMont aus seinen Ämtern abzuberufen." Hintergrund: Der Skandal begann mit anonymen Kommentaren, die der Verlegersohn im Blog des Medienjournalisten Stefan Niggemeier unter diversen Pseudonymen verfasst haben soll. Zwar bestritt er dies immer wieder. Sein Vater hat ihm aber offenbar nicht geglaubt. Konstantin Neven DuMont wurde wenig später von seinen Ämtern beurlaubt. Daraufhin startete der Verlagserbe eine regelrechte Medienkampagne gegen das Unternehmen und seinen Vater. Gegenüber zahlreichen Medien, darunter auch "Bild Köln", der direkte Wettbewerber des MDS-Titels "Express", übte er heftige Kritik. Angesichts der laut Verlag "geschäftsschädigenden Äußerungen" hat der Aufsichtsrat ihm seine Herausgeberämter entzogen. Nun streiten sich die Parteien ums Geld, denn Konstantin Neven DuMont will seinen 7-prozentigen Anteil am Medienhaus abgeben und sich ausbezahlen lassen. pap/bn

Lesen Sie im Folgenden die komplette Erklärung der MDS-Chefredakteure im Wortlaut:

Seit sechs Wochen werden wir beinahe täglich mit Interviews und Statements von Konstantin Neven DuMont konfrontiert. Über andere Medien, vor allem "Bild Köln", breitet er Interna des Medienhauses M. DuMont Schauberg ebenso wie Familien-Angelegenheiten öffentlich aus. Im "Spiegel" müssen wir lesen, Konstantin Neven DuMont finde den Verlag zunehmend unsympathisch. In "Bild Köln" hieß es, die Qualität der von uns geführten Zeitungen habe sich seit seiner Beurlaubung vom Vorstandsamt dramatisch verschlechtert. An anderer Stelle behauptet er, jeder mache bei MDS, was er wolle, der Wert des Unternehmens sinke. Es gebe ein Führungsvakuum, und die Mitarbeiter stünden unentschlossen zwischen ihm und seinem Vater. Sämtliche Behauptungen widersprechen der Wirklichkeit, die wir täglich erleben und setzen unser gemeinsames Haus herab sowie alle, die es repräsentieren und dafür arbeiten. Das ist Anlass für unsere Erklärung.

Wir, die Chefredakteure der MDS-Zeitungen, stehen zu den Beschlüssen des Aufsichtsrates, Konstantin Neven DuMont aus seinen Ämtern abzuberufen, beziehungsweise zu beurlauben. Aus Respekt gegenüber der Person und aus Loyalität gegenüber dem Unternehmen und seinen Gesellschaftern haben wir in der Öffentlichkeit bisher keine Stellung genommen. Allerdings ist Loyalität aus unserer Sicht eine Verpflichtung auf Gegenseitigkeit. Auch wir vertreten dieses Haus nach außen. Wir haben erwartet und erwarten daher, dass Konstantin Neven DuMont seinen Teil der Verpflichtung anerkennt und wahrnimmt. Zu den selbstverständlichsten Regeln gehört, der publizistischen Konkurrenz kein Material zu liefern, das im Wettbewerb gegen uns verwendet wird und Personalangelegenheiten intern und vertraulich zu behandeln.

Aus dem Kreis aller Mitarbeiter der Mediengruppe erreichen uns irritierte und besorgte Fragen. Umso mehr müssen wir Wert darauf legen, dass die tägliche Arbeit in unseren Redaktionen und Verlagen nicht länger durch abträgliche und substanzlose Äußerungen beeinträchtigt wird.

Hartmut Augustin, Hans-Jürgen Greye, "Mitteldeutsche Zeitung"; Hans-Peter Buschheuer, "Berliner Kurier"; Brigitte Fehrle, DuMont Redaktionsgemeinschaft; Joachim Frank, Rouven Schellenberger, "Frankfurter Rundschau"; Rudolf Kreitz, "Express"; Frank Niggemeier, "Hamburger Morgenpost"; Peter Pauls, "Kölner Stadt-Anzeiger"; Dr. Uwe Vorkötter, "Berliner Zeitung".

Der Vorstand der Mediengruppe M. DuMont Schauberg und die Geschäftsführer der Unternehmensbereiche Köln, Berlin, Frankfurt, Halle und Hamburg stimmen der Erklärung der Chefredakteure ausdrücklich zu und begrüßen sie. Wir sind uns in der Beurteilung des Verhaltens von Konstantin Neven DuMont und der sich daraus ergebenden Konsequenzen einig.
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