Dogan-Gruppe muss "Hürriyet" offenbar wegen Geldnot verkaufen

Mittwoch, 05. Januar 2011
Die Tageszeitung soll offenbar verkauft werden
Die Tageszeitung soll offenbar verkauft werden

Die türkische Mediengruppe Dogan Yayin will ihre Tageszeitung "Hürriyet" verkaufen. Das berichtet die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf informierte Kreise. Die amerikanische Bank Goldman Sachs habe bereits erste Schritte dafür eingeleitet. Ob Axel Springer ebenfalls ein Angebot einreichen wird, ist noch unklar. Ein Sprecher des Medienhauses wollte diese Spekulationen auf Anfrage von HORIZONT nicht kommentieren. Aktuell ist der Verlag mit 20 Prozent an der TV-Tochter von Dogan beteiligt. Hintergrund der Verkaufsgerüchte: Im September 2009 wurde das Medienunternehmen wegen angeblicher Steuervergehen zu einer Geldstrafe von 2,4 Milliarden Euro verurteilt, die ein riesiges Finanzloch in die Kassen riss. Die "FTD" geht davon aus, dass Dogan mit dem Verkaufserlös die Geldstrafe ausgleichen will, falls der Verlag das laufende Berufungsverfahren verlieren sollte.

Die Dogan-Gruppe ist der führende Medienkonzern in der Türkei. Neben "Hürriyet" (verkaufte Auflage insgesamt: knapp 500.000 Exemplare), die auch hierzulande von vielen Türken gelesen wird, erscheinen in dem Verlag noch sieben weitere Tageszeitungen. Außerdem betreibt Dogan mehrere Fernsehsender und ist an dem türkischen Ableger von CNN (CNN Türk) beteiligt.

Ein Verkauf von "Hürryiet" dürfte der türkischen Regierung durchaus entgegenkommen. Die Meinungsmacht des Medienunternehmens war dem Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in der Vergangenheit immer wieder ein Dorn im Auge. Politische Beobachter gehen sogar davon aus, dass die Geldstrafe auch deshalb so hoch ausfiel, weil Erdogan den Einfluss von Dogan drosseln wollte. Nach kritischen Berichterstattungen über einen Spendenskandal im Umfeld der islamisch-konservativen AKP-Regierung, war der Streit zwischen Erdogan und dem Verlag eskaliert. Deshalb setzte Axel Springer einen geplanten Ausbau seiner Aktivitäten in der Türkei vorerst aus. hor
Meist gelesen
stats