Döpfner fordert "Mut zum großen Versuch, statt kleine halbherzige Maßnahmen"

Montag, 08. November 2010
Döpfner denkt über das Verschenken von iPads nach
Döpfner denkt über das Verschenken von iPads nach

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer, beobachtet bei den Internetnutzern ein Umdenken in Bezug auf Paid Content: "Menschen mit Anspruch an Sprache, Qualität, Unabhängigkeit und Professionalität merken zunehmend, dass solche Inhalte nicht vom Himmel fallen, sondern von Journalisten erstellt und dann auch bezahlt werden müssen." Dies sagt das Manager in einem Interview mit dem "Handelsblatt". Als Grundlage für seine Aussage nimmt er die steigenden Nutzungszahlen der Springer-Bezahlangebote. So seien die kostenpflichtigen Apps von "Bild" und "Welt" rund 280.000 Mal heruntergeladen worden, was "eine beachtliche Zahl" darstelle. Auch das "Hamburger Abendblatt", das seine Lokalinhalte und Sportnachrichten mit einer Paid-Schranke versehen hat, melde eine steigende Zahl zahlender Leser. Zudem habe der Internetauftritt seine Gesamtreichweite zweistellig gesteigert. "Sehr ermutigend" seien auch die Verkäufe der iPad-Apps. Seriöse Zahlen gebe es hierzu aber noch nicht.

Hoffnungsvoll stimmt ihn außerdem das Paid-Projekte von Rupert Murdochs "Times"-Gruppe. Innerhalb weniger Monate hat sie 200.000 Abonnenten gewonnen, davon 105.000 reine Online-Abonnenten. "Aus dem Stand eine solch hohe Zahl zu liefern, das ist spektakulär", kommentiert Döpfner.

Um den Kauf von Inhalten anzukurbeln, kann sich Döpfner durchaus vorstellen, den Nutzern iPads zu schenken - ganz nach dem Vorbild Rockefellers, der einst Öllampen kostenlos verteilte, um möglichst viel Öl dafür zu verkaufen. "Das ist ein interessantes Modell - keine Frage. Bei der "Welt" haben wir das schon ausprobiert. Wer sich für ein Zwei-Jahres-Abo entscheidet, bekommt das iPad umsonst", so der Springer-Vorstandsvorsitzende.

Man könne nicht immer mit "kleinen, halbherzigen Maßnahmen" reagieren. Man müsse den Mut zu einem großen Versuch haben, wie ihn die Telekommunikationsindustrie bei der Einführung des Mobilfunks bewiesen habe. bn
Meist gelesen
stats