Döpfner: "Smartphones und Tablets sind die Zeitungen der Zukunft"

Donnerstag, 16. September 2010
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Für Springer-Chef Matthias Döpfner liegt die Zukunft klassischer Medienmarken im mobilen Internet. "Smartphones und Tablets sind die Zeitungen und Zeitschriften der Zukunft", sagte Döpfner heute bei seiner Keynote auf der Kölner Onlinemesse Dmexco. "Mobile ist damit der Vertriebskanal, auf den wir mit ganzer Kraft setzen müssen", so Döpfner weiter. Für Matthias Döpfner steht die Medienbranche derzeit erst am Anfang einer "großen Revolution". Seine Einschätzung begründete der Springer-Boss mit einem wahren Zahlen-Feuerwerk. So hätten diverse Studien gezeigt, dass die Zahl der mobilen Surfer bis 2013 weltweit auf 5,8 Milliarden steigen werde, 30 Prozent der Nutzer sollen dann bereits mit Smartphones ausgestattet sein. "In 3 Jahren haben wir damit so viele Smartphones wie heute stationäre Internetanschlüsse, die einst spitze Zielgruppe ist breit geworden", sagt Döpfner, der im mobilen Internet auch ökonomisch für die Verlage ein "riesiges Potenzial" sieht. So werde sich der Weltmarkt für mobile Datendienste von rund 36 Milliarden Euro im Jahr 2008 bis 2014 mehr als verdoppeln.

Matthias Döpfner: Apps sind die neuen Verbündeten der Verlage.“
Besonders große Chancen wittert der Springer-Chef in der Vermarktung von mobilen Applikationen. "Apps sind die neuen Verbündeten der Verlage", glaubt Döpfner. Anders als das offene, browserbasierte Internet sind die kleinen Programme nach Ansicht Döpfners deutlich besser geeignet, um die klassischen Stärken der Verlage wie etwa Storytelling, Layout und Themenführung auszuspielen. Zudem böten Geräte wie Apples iPad aufgrund der unterschiedlichen Nutzungssituation die Chance, mit den klassischen Medienmarken mehr Menschen zu erreichen und in neue Reichweitendimensionen vorzustoßen. Schon heute würden etwa die Print-, Online- und E-Paperausgaben von "Bild" komplementär genutzt. Dasselbe erwartet Döpfner auch von den App-Angeboten. "Wenn wir es richtig anstellen, können wir einen riesigen Markt etablieren. Wir dürfen aber nicht den Fehler aus dem stationären Internet wiederholen, alle Inhalte kostenlos anzubieten", appelliert Döpfner an die Branche.

Dass Nutzer von iPhone und Co anders als die klassischen Web-Surfer bereit sind, für Inhalte zu zahlen, daran hat Döpfner keinen Zweifel. So habe eine Studie gezeigt, dass iPad-Nutzer schon heute bereit seien, bis zu 10 Euro monatlich für journalistische Inhalte zu zahlen. Dennoch gebe es für die Verlage noch viel zu tun: "Wir müssen unsere Angebote so aufbereiten, dass sie Begeisterung auslösen", fordert Döpfner, der auch zu den eigenen Angeboten erste Zahlen vorlegte. So wurden die Apps von "Bild" und "Welt" bislang eine viertel Million Mal heruntergeladen. Angesichts der zwar deutlich wachsenden, aber insgesamt noch überschaubaren Verbreitung der Geräte zeigte sich Döpfner mit der Bilanz sehr zufrieden, das Potenzial für die Zukunft sei "gewaltig". mas
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