Disney-Management schraubt Eisner-Einfluss zurück

Freitag, 05. März 2004

Nach einem beispiellosen Aktionärsaufstand hat das Disney-Management die Macht des umstrittenen Konzernchefs Michael Eisner beschnitten. Demnach wird Eisner künftig nur noch als Chefmanager fungieren und muss sein Amt als Vorsitzender des Direktoriums (Chairman) abgeben.

Disney reagierte damit auf die spektakulären Ergebnisse der Hauptversammlung am verganenen Mittwochabend. In einem in der US-Unternehmensgeschichte bislang nie da gewesenen Protest gegen einen amtierenden Konzernchef hatten 43 Prozent der Aktionäre gegen die Wiederwahl Eisners ins Direktorium (Board) gestimmt. Dieses beschloss umgehend, die Ämter des Unternehmenschefs (CEO) und des Chairman zu trennen und bestätigte Eisner in seiner Funktion als Firmenchef. Einige Großaktionäre werfen Eisner strategische Fehlentscheidungen vor, die den Aktienkurs gedrückt hätten.

Ein Ende des Machtkampfs bei dem Traditionskonzern, der sich parallel gegen eine 49 Milliarden Dollar schwere feindliche Übernahmeofferte des Kabelfernsehbetreibers Comcast zur Wehr setzt, ist trotz der Ämtertrennung nicht absehbar. Eisners Gegner zeigten sich mit der Ämtertrennung nicht zufrieden und wollen ihn weiter von der Konzernspitze verdrängen. Sie machen zudem Front gegen den vom Direktorium bestimmten neuen Vorsitzenden, Ex-Senator George Mitchell, gegen den immerhin auch 24 Prozent der Anteilseigner votierten.

Das Direktorium lehnte das Comcast Übernahmeangebot erneut als unzureichend ab. Zugleich kündigte es an, "jeden vernünftigen Vorschlag" zu prüfen. Unterdessen wies der Microsoft -Gründer Bill Gates Spekulationen zurück, der Softwareriese werde ebenfalls eine Offerte für Disney vorlegen. nr
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