Digitale und internationale Medien bescheren Springer Rekordergebnis

Donnerstag, 05. August 2010
Mathias Döpfner hat Grund zum Lachen
Mathias Döpfner hat Grund zum Lachen

Axel Springer ist erneut auf Rekordkurs: Der Medienkonzern steigerte - wie am 20. Juli 2010 vorab veröffentlicht - das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen im 1. Halbjahr um 61 Prozent auf 261,2 Millionen Euro. Damit hat das Unternehmen das höchste Halbjahres-Ebitda in seiner Geschichte erzielt. Die Ebitda-Rendite verbesserte sich von 12,9 Prozent auf 19,1 Prozent. Der Konzernumsatz nahm um 8,7 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro zu. Als Grund für die positive Entwicklung nennt der Medienkonzern an erster Stelle das anhaltende Wachstum im Segment Digitale Medien. Im 1. Halbjahr steigerte der Geschäftsbereich seinen Umsatz um 66,3 Prozent auf 333,9 Millionen Euro. Die digitalen Aktivitäten erhöhten ihre Werbeerlöse um 72,1 Prozent auf 250,1 Millionen Euro und ihre übrigen Erlöse um 51,1 Prozent auf 83,8 Millionen Euro. Das Ebitda konnten die digitalen Medien auf 40,2 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Wesentlicher Treiber waren Konsolidierungseffekte von Stepstone und Digital Window. Aber auch organisch betrug das Wachstum starke 19 Prozent. Während die journalistischen Content-Portale Bild.de und Aufeminin.com nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner "sehr profitabel" sind, befinden sich die Online-Aktivitäten der Regionalzeitungen jedoch noch mitten in der Investitionsphase.

Zu dem Wachstum leistete auch das internationalen Geschäft einen einen entscheidenden Beitrag. Die Auslandserlöse legten vor allem aufgrund der Akquisitionen im digitalen Geschäft um 41,1 Prozent auf 352,3 Millionen Euro zu. Erstmals erwirtschaftete der Konzern jeden vierten Euro in den internationalen Märkten. Die internationalen Zeitungen und Zeitschriften trugen ebenfalls zu der positiven Entwicklung bei. Auf Halbjahressicht steigerten sie den Umsatz um 1,8 Prozent auf 154,3 Millionen Euro. Das Segment erreichte zudem mit einem Ebitda von 15,9 Millionen Euro (Vorjahr 2,1 Millionen Euro) eine deutliche Ertragssteigerung. Positiv entwickelten sich vor allem die Landesgesellschaften in Polen, in der Schweiz und in Russland.

Im Werbemarkt zeichnet sich hierzulande eine Erholung ab. Das Segment Zeitungen National steigerte die Werbeerlöse vor allem aufgrund höherer Anzeigenvolumina bei den Flaggschiffen "Bild" und "Bild am Sonntag" auf 270,5 Millionen Euro (Vorjahr: 269,4 Millionen Euro) leicht. Rückläufige Auflagen führten hingegen zu einem Rückgang der Vertriebserlöse um 2,3 Prozent auf 300,1 Millionen Euro. Die inländischen Zeitungen konnten den moderaten Umsatzrückgang von insgesamt 6,2 Millionen Euro auf 584,4 Millionen Euro jedoch durch niedrigere Aufwendungen überkompensieren und das Ebitda um 20,1 Prozent auf 155,5 Millionen Euro verbessern.

Auch bei den inländischen Zeitschriften macht sich langsam ein Aufschwung im Werbemarkt bemerkbar. Die Werbeerlöse liegen zwar mit 69,3 Millionen Euro noch immer 3,6 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert. Bereinigt um Konsolidierungseffekte legten sie jedoch um 1,5 Prozent zu. Die Vertriebserlöse sanken deutlich um 17,6 Millionen Euro auf 163,2 Millionen. Das Ebitda kletterte um 81,8 Prozent auf 57,8 Millionen Euro nach oben. Hierzu trugen vor allem die Sparmaßnahmen im Vorjahr sowie die Bereinigungen des Titelportfolios bei. Der Verkauf der Frauen- und Jugendzeitschriften sowie der Finanz- und Wirtschaftstitel schlugen sich in einem Umsatzrückgang um 7,7 Prozent auf 243,0 Millionen Euro nieder.

Vor dem Hintergrund der über den Erwartungen liegenden Ergebnisentwicklung im 1. Halbjahr und der ab dem 1. Juli 2010 zu konsolidierenden Umsatz- und Ergebnisbeiträge des Osteuropa-Joint-Ventures mit Ringier hat Axel Springer die Prognose für das Geschäftsjahr 2010 angehoben. Sofern die positiven Marktimpulse auch im 2. Halbjahr anhalten, hält der Vorstand ein Ebitda in der Größenordnung des Rekordwertes aus dem Geschäftsjahr 2008 (486,2 Millionen Euro) für erreichbar. Zuletzt hatte Axel Springer lediglich einen Anstieg des Konzern-Ebitda gegenüber dem Vorjahr (333,7 Millionen Euro) um deutlich mehr als 10 Prozent in Aussicht gestellt. Für den Umsatz rechnet der Vorstand für das Geschäftsjahr 2010 ebenfalls mit einer deutlichen Erhöhung.

Das Joint Venture Ringier Axel Springer Media hat vor allem das Ziel, die digitale Transformation der marktführenden Marken in den jeweiligen Ländern voranzutreiben. An zweiter Stelle steht, die Kernkompetenzen im digitalen Geschäft - Content, Werbevermarktung und Rubrikengeschäft - durch Akquisitionen zu stärken. "Wir können uns vorstellen, Job-, Immobilien-, Auto- und Datingplattformen, Performance-basierte Vermarktungsfirmen sowie marktführende Themenportale zu erwerben", kündigt Döpfner an. Außerdem sieht der Manager eine große Chance darin, die bereits vorhanden Marken, die Ringier und Springer bereits besitzen, in anderen Auslandsmärkten zu etablieren. Insgesamt geht Döpfner in den nächsten Jahren von Investitionen in niedriger, dreistelliger Millionenhöhe aus.

Die Übernahme von Titeln der Essener WAZ Mediengruppe, die ihren Rückzug aus Serbien und Rumänien jüngst angekündigt hat, schließt Döpfner aus. Die politische Situation ist ihm hier offenbar zu unsicher, hatte sich die WAZ-Gruppe mit der serbischen Regierung doch zuletzt einen erbitterten Streit geliefert. "Die engen Verflechtungen zwischen Oligarchen und der politischen Macht vergiften den Markt", hat vor wenigen Tagen WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach erklärt.  bn
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