"Digitale Analphabeten": Agenturchef Matthias Schrader teilt gegen Politiker aus

Donnerstag, 13. Oktober 2011
Wutrede: Matthias Schrader kritisiert die deutsche Politik
Wutrede: Matthias Schrader kritisiert die deutsche Politik

Bei Deutschlands Digitalagenturen scheint sich eine Art Politikverdrossenheit breit zu machen. Diesen Eindruck vermittelt jedenfalls Matthias Schrader, CEO bei Sinner Schrader in Hamburg. In ungewohnt scharfer Form kritisiert der Chef des viertgrößten deutschen Internetdienstleisters Deutschlands Politiker. "Wir werden von gefährlichen Ahnungslosen regiert", schimpft Schrader. Auslöser für die Politikerschelte ist offenbar unter anderem die jüngste Debatte um den sogenannten Staatsttrojaner. Vergangene Woche hatte der Chaos Computer Club aufgedeckt, dass die in Bayern entwickelte staatliche Spähsoftware weit mehr kann als eigentlich erlaubt. So können die Sicherheisbehörden mit der umstrittenen Schnüffel-Software nicht nur die Kommunikation überwachen, sondern Computer quasi fernsteuern. Dies ist nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts rechtswidrig. Dass der Staat auf solche "rechtsverletzenden Tools" setzt, hält Schrader für hochproblematisch und für "mehr als nur bigott". Damit werde dem Datenmissbrauch Tür und Tor geöffnet.

Der Staatstrojaner ist für Schrader aber offenbar nur die Spitze des Eisbergs, denn seine Kritik reicht viel weiter. "Viele Politiker sind digitale Analphabeten. Das ist für Deutschland ein echter Standortnachteil", schickt der Agenturchef eine Protestnote gen Berlin. Aus Sicht von Schrader schüren Behörden und Politik "gezielt die Angst vor dem Datenhunger amerikanischer Konzerne, riskieren aber mit ihrer Gesetzgebung in der Praxis insbesondere die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Anbieter". Damit würden nicht zuletzt Arbeitsplätze aufs Spiel gesetzt.

Ein Schreckensszenario, das für Sinner Schrader zum Glück noch nicht zutrifft - ganz im Gegenteil. Die heute vorgestellte Bilanz für das Geschäftsjahr 2010/2011 zeigt sogar, dass die Zahl der bei der Agentur tätigen Digitalspezialisten in den vergangenen 12 Monaten um 100 auf inzwischen 400 angestiegen ist. Auch sonst ist bei Sinner Schrader noch alles im grünen Bereich: So kletterte der Umsatz der Agentur um rund 29 Prozent auf den neuen Rekordwert von etwa 30,9 Millionen Euro. Das operative Ergebnis (EBITA) legte ebenfalls um rund 17 Prozent auf über 2,55 Millionen Euro zu. mas
Meist gelesen
stats