Dieter von Holtzbrinck kauft die Top-Titel des Holtzbrinck-Verlags

Donnerstag, 26. März 2009
Schnüren Big Deal: Stefan (links) und Dieter von Holtzbrinck
Schnüren Big Deal: Stefan (links) und Dieter von Holtzbrinck

Dieter von Holtzbrinck erwirbt zum 1. Juni 2009 über die von ihm gegründete Familiengesellschaft Dieter von Holtzbrinck Medien GmbH (DVH-Medien) von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck mehrere Beteiligungen. Zum dem Paket gehört zu jeweils 100 Prozent die Verlagsgruppe Handelsblatt und die Berliner Tagesspiegel-Gruppe sowie 50 Prozent am Hamburger Zeit-Verlag. Der Spotlight-Sprachverlag (Starnberg), Lebensmittelpraxis-Verlag (Neuwied) und der Buchverlag
Schaeffer-Poeschel (Stuttgart) werden bei der Verlagsgruppe Georg von
Holtzbrinck verbleiben.
Der heute 67-Jährige hat die Verlagsgruppe im Sommer 2006 verlassen und die Führung an seinen Halbbruder Stefan von Holtzbrinck übergeben. Damals hieß es, dass das Unternehmen den Wert seiner Ein-Drittel-Beteiligung schrittweise in eine gemeinnützige Familienstiftung überführen werde. Diese Zahlungen sollen den Verlag geschwächt haben. Mit der Übernahme der Titel will Dieter von Holtzbrinck nun auf seine finanziellen Ansprüche verzichten. Der Verlag will sich mit diesem Schritt besser für die Wirtschaftskrise rüsten: Damit "vergrößert Georg von Holtzbrinck den Spielraum, um in Zeiten einer weltweiten Rezession und des Umbruchs im Medienbereich ihre strategischen Pläne zu realisieren."

Kommentar: Ein Zeichen von Schwäche

Von Jürgen Scharrer

Kompliment für die gelungene Kommunikationsarbeit im Hause Holtzbrinck. Als über spiegel.de die spektakuläre Meldung lief, Dieter von Holtzbrinck, 67, kaufe von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck das „Handelsblatt", die „Wirtschaftswoche", den „Tagesspiegel" und auch noch 50 Prozent an der „Zeit", wird in der Stuttgarter Zentrale keine Hektik ausgebrochen sein. Man musste nur kurz auf den Knopf drücken und auf handelsblatt.com erschien ein längst vorbereitetes und fein abgezirkeltes Interview mit den beiden Holtzbrinck-Brüdern Dieter und Stefan, geführt von „Handelsblatt"-Chefredakteur Bernd Ziesemer höchstpersönlich. weiterlesen

Für die Verlagsgruppe bedeutet der Verkauf ein deutlicher Einschnitt, denn damit gibt das Unternehmen seine wichtigsten Titel ab. Im Zeitungs-Segment umfasst das Portfolio dann neben dem 50-prozentigen Anteil an "Der Zeit" nur noch regionale Titel wie der "Trierische Volksfreund", die "Saarbrücker Zeitung" und der "Südkurier". Stefan von Holtzbrinck macht damit seinem Ruf alle Ehre: Er galt in der Branche nicht als Liebhaber des Printgeschäfts und hat das Unternehmen unter anderem mit dem Zukauf von StudiVZ verstärkt auf das digitale Business ausgerichtet. Dieter von Holtzbrinck hat sich hingegen 2007 bereits vergeblich bemüht, gemeinsam mit Investoren die "Süddeutsche Zeitung" zu übernehmen, die dann schließlich an die Südwestdeutsche Medien Holding in Stuttgart verkauft wurde.

Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck und DVH-Medien wollen in den Bereichen Online, IT, Anzeigenvermarktung und Veranstaltungen eng zusammenarbeiten. Bei der "Zeit" wird ein fünfköpfiger Aufsichtsrat gebildet, dem die Gesellschafter Monika Schoeller, Dieter und Stefan von Holtzbrinck angehören. bn

Stefan und Dieter von Holtzbrinck erläutern den Deal im konzerneigenen Handelsblatt wie folgt:

Stefan von Holtzbrinck: Bei der jetzt getroffenen, wohlüberlegten Lösung erweitern wir einerseits den Spielraum für die Verlagsgruppe und sichern zugleich die Zukunft und die journalistische Qualität von „Tagesspiegel", „Wirtschaftswoche", „Zeit" und Handelsblatt, indem wir sie langfristig in bewährten Familienhänden belassen.“


Stefan von Holtzbrinck zu möglichen Zukäufen im regionalen Printmarkt: Im Rahmen des sich abzeichnenden Konsolidierungsprozesses halten wir unsere Augen offen und prüfen alle Optionen. Nicht zuletzt hängen diese davon ab, was das Kartellamt in Deutschland ermöglicht. Im Übrigen geht unsere regionale Medienhaus-Strategie gut auf. Bei einem Wachstum von über vier Prozent 2008 tragen die Regionalzeitungen wesentlich zu den soliden Ergebnissen bei. “


Stefan von Holtzbrinck zur Frage, ob sich der Verlag zum reinen Internetkonzern entwickelt: Nein, wir werden immer auch ein Printunternehmen sein.


Dieter von Holtzbrinck: Ich war immer ein Anhänger dezentraler Führung. Daher werden auch künftig die Geschäftsführer und die Chefredakteure die Unternehmen operativ führen. Ich sehe meine Aufgabe mehr als die eines aktiven Aufsichtsrates, der zugleich auch Sparringspartner für meine Kollegen ist. “


Dieter von Holtzbrinck: Ich habe noch keine abschließenden Überlegungen zur künftigen Organisationsstruktur. In jedem Fall wird es eine kleine und schlanke Organisation sein.“


Dieter von Holtzbrinck: Der „Tagesspiegel" muss die Hauptstadt-Zeitung bleiben. Das ist seine Basis. Schon heute gehört er zu den meistzitierten Tageszeitungen Deutschlands. Mein Ziel ist es, ihm langfristig eine weiter zunehmende überregionale Bedeutung zu verschaffen. “
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