Die meisten Deutschen partizipieren nicht an der Digitalisierung

Donnerstag, 02. Dezember 2010
Ältere Verbraucher haben noch Nachholbedarf im Web
Ältere Verbraucher haben noch Nachholbedarf im Web

Die große Mehrheit der deutschen Gesellschaft ist noch längst nicht in der digitalen Welt angekommen. So zeigen sich 63 Prozent der Bevölkerung im Umgang mit den modernen Medien nicht oder nur wenig souverän. Dies geht aus der Studie "Die digitale Gesellschaft" der Initiative D21 hervor, für die TNS Infratest insgesamt rund 1000 telefonische Interviews durchgefürt hat. Im Rahmen der Studie wurden die Befragten nach sechs Nutzertypen klassifiziert. Die beiden größten Gruppen stellen mit jeweils 28 Prozent die "Digitalen Außenseiter" und "Gelegenheitsnutzer", also solche die nie oder selten im Internet surfen. Mit einem Durchschnittsalter von 64,9 Jahren bilden die beiden Nutzertypen die älteste Gruppe in der Studie. Zwar ist das Segment der Außenseiter um sieben Prozentpunkte geschrumpft, allerdings haben die Verbliebenen ein noch eingeschränkteres Nutzungsmuster als im Vorjahr. So können nur 12 Prozent einen Brief am Computer schreiben und nur die wenigsten können sich etwas unter den Begriffen E-Mail und Homepage vorstellen.

"Die Studie zeigt, dass noch viel Arbeit vor uns liegt. Dies haben wir auch als festen Bestandteil in der IKT-Strategie der Bundesregierung Deutschland Digital 2015 verankert", sagt Hans-Joachim Otto, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Ulrich Hermann, D21-Gesamtvorstandsmitglied, sieht vor allem das Bildungssystem in der Verantwortung, allen Bevölkerungsschichten maßgeschneiderte Angebote bereitzustellen und die digitalen Medien als selbstverständliches Lernwerkzeug in die Wissensvermittlung zu integrieren.

Die Studie enthält aber auch Ergebnisse, die hoffnungsvoll stimmen. So ist die Gruppe der "Trendnutzer" um ganze 9 Prozentpunkte auf 20 Prozent gewachsen. Dieses Segment zeichnet sich dadurch aus, dass die Nutzer privat sehr gut mit digitalen Techniken ausgestattet sind und insbesondere die mobile Internetnutzung hier stark ausgeprägt ist. Die Kategorie der "Digitalen Profis" ist mit 12 Prozent auf dem Vorjahresniveau geblieben. Die Gruppe der "Digitalen Avantgarde" hat sich von 3 auf 5 Prozent vergrößert. Die Zahl der "Berufsnutzer", die das Internet in erster Linie nur am Arbeitsplatz nutzen aber kaum privat hat sich von 9 auf 7 Prozent verringert.

Die Initiative D21 ist Deutschlands größte Partnerschaft von Politik und Wirtschaft für die Informationsgesellschaft. Sie umfasst ein parteien- und branchenübergreifendes Netzwerk von 200 Mitgliedsunternehmen und -institutionen sowie politischen Partnern aus Bund, Ländern und Kommunen. Ihr Ziel ist es, die Digitale Gesellschaft mit gemeinnützigen Projekten zu gestalten und Deutschland in der digitalen Welt des 21. Jahrhunderts gesellschaftlich und wirtschaftlich erfolgreich zu machen. Die komplette Studie steht online zum kostenlosen Download zur Verfügung. bn
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