Die "Tagesschau", das Maß aller Dinge? Eine Studie und ihre Deutung

Freitag, 15. Juni 2012
Die "Tagesschau" ist die wichtigste Informationsquelle zur politischen Meinungsbildung
Die "Tagesschau" ist die wichtigste Informationsquelle zur politischen Meinungsbildung


Das renommierte Hans-Bredow-Institut der Universität Hamburg hat die wichtigsten Informationsquellen der Deutschen ermittelt. Auf den ersten Blick sprechen die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage eine klare Sprache: Die meisten Deutschen informieren sich nach wie vor im Fernsehen und in Zeitungen über das politische Tagesgeschehen. Vor allem die "Tagesschau" ist in allen Altersgruppen die wichtigste Informationsquelle zur politischen Meinungsbildung. Doch bei jungen Menschen hat das Internet die traditionellen Medien in einigen Bereichen bereits überholt. "Wenn es um politische Meinungsbildung geht, ist die Tagesschau im Urteil der Menschen in Deutschland nach wie vor das Maß aller Dinge," bejubelt NDR-Intendant Lutz Marmor die Ergebnisse der Studie. Tatsächlich steht das ARD-Nachrichtenflaggschiff im Ranking der wichtigsten Informationsquellen zur Meinungsbildung über politische Themen mit Abstand auf Platz 1. "Das geht runter wie Öl", kann auch Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD Aktuell im Tagesschau-Blog seinen Stolz kaum verbergen.

Ein genauer Blick auf die Zahlen zeigt allerdings, dass das Internet den tradtionellen Medien mit Riesenschritten auf den Fersen ist - auch im Bereich der politischen Meiunungsbildung. Bei den 14- bis 29-Jährigen folgen hinter der "Tagesschau" - noch mit einigem Abstand - mit Spiegel Online, Google und Web.de gleich drei Internetangebote. Auf Platz 5 liegen die Nachrichten von  N-TV, auf Platz 6 bereits Facebook. Das "Heute Journal" folgt übrigens erst auf Rang 14.

"Auch in den heutigen digitalen Medienumgebungen spielen die etablierten Medien Fernsehen und Zeitung nach wie vor eine wichtige Rolle. Das Internet ist aber mittlerweile zu einem wesentlichen Faktor auch für die politische Meinungsbildung geworden", ordnet Uwe Hasebrink, Direktor des Hans-Bredow-Instituts, die Ergebnisse ein. "Auffällig ist vor allem, dass mit Google und Facebook auch solche Angebote dazu gehören, die selbst keine politischen Inhalte anbieten. Diskussionen um Medienvielfalt und den Einfluss von Medien auf die Meinungsbildung müssen daher einen medienübergreifenden Ansatz verfolgen", so seine Schlussfolgerung.

Bei der Frage nach den allgemein wichtigsten Informationsquellen, also nicht zu einem bestimmten Themengebiet wie Politik - liegt bei den jungen Nutzern das Internet mit einem Anteil von 32,6 Prozent sogar schon klar an der Spitze. Das Fernsehen folgt mit 25,4 Prozent, Zeitungen kommen immerhin noch auf einen Anteil von 20 Prozent. "Ein Großteil der Bevölkerung weist einigen Online-Angeboten mindestens ebenso großes Gewicht für ihr Informationsverhalten zu wie klassischen Angeboten", heißt es in der Studie.

Angesichts dieser Herausforderungen wäre bei aller Freude über die nach wie vor starke Stellung der "Tagesschau" vielleicht ein wenig mehr vornehme Zurückhaltung angebracht - die digitale Medienrevolution hat schließlich erst begonnen. dh

Die wichtigsten Informationsquellen der 14- bis 29-Jährigen (Anklicken zum Vergrößern)
Die wichtigsten Informationsquellen der 14- bis 29-Jährigen (Anklicken zum Vergrößern)
Eine Kurzfassung der Studie "Informationsrepertoires der deutschen Bevölkerung" gibt es auf der Website des Hans-Bredow-Instituts.
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