Die "Handelsblatt"-Pläne im Digitalgeschäft und in der Vermarktung

Donnerstag, 20. Dezember 2012
Gabor Steingart ist der HORIZONT-Medienmann des Jahres 2012
Gabor Steingart ist der HORIZONT-Medienmann des Jahres 2012


Paid Content, Kongressvermarktung - und vielleicht ein bisschen profitieren vom Ende des Konkurrenten "FTD": Gabor Steingart, Chefredakteur des "Handelsblatt", ab Januar Geschäftsführer der Verlagsgruppe und frisch gekürter HORIZONT-Medienmann des Jahres, enthüllt seine Pläne fürs nächste Jahr.
Was das Ende der "FTD" für das "Handelsblatt" journalistisch bedeutet, wie Steingart die Zukunft der Zeitungen bewertet, was er als Geschäftsführer im Haus verändern möchte, ob Journalisten die besseren Verlagsmanager sind und warum er Werbung als staatsbürgerliche Pflicht ansieht - das lesen Abonnenten in der HORIZONT-Ausgabe 51/2012, die am Donnerstag, 20. Dezember erscheint.

Im zusätzlichen Interview mit HORIZONT.NET beschreibt Steingart seine Pläne im Digitalen und in der Vermarktung. Und inwieweit sein "Handelsblatt" vom Ende der "FTD" profitiert. rp

„Gutes Geld für gute journalistische Arbeit"

Profitiert das "Handelsblatt" von der Marktbereinigung durch das Aus der "FTD"? Immerhin haben Sie die "FTD"-Abokartei mit zuletzt laut IVW knapp 42.000 Adressen gekauft und beschicken sie für vier Wochen mit dem "Handelsblatt".
Gabor Steingart:
Wenn das so einfach wäre: Abodatei kaufen! In Deutschland gibt es aus gutem Grund keine Zwangsbeglückung von Kunden. Wer einen Audi bestellt hat, dem können Sie nicht einfach einen BMW vor die Tür setzen. Was uns Gruner + Jahr fairerweise eingeräumt hat, ist ein Zugang zu den ehemaligen "FTD"-Abonnenten. Wir können diesen jetzt ein Angebot machen. Das tun wir.

Mit wie viel dauerhaftem Zuwachs rechnen Sie?
Das kann niemand prognostizieren. Wir wollen mit allen "FTD"-Lesern ins Gespräch kommen. Ich glaube, dass die Leser einer Wirtschaftszeitung eine Wertegemeinschaft bilden, die den rationalen und zugleich pragmatischen Blick auf das Leben teilt.

Und im Werbemarkt? Wird das "Handelsblatt" nach dem "FTD"-Aus künftig mehr Anzeigen verkaufen oder höhere Nettopreise durchsetzen können?
Die Preise werden wir nicht erhöhen. Das wäre arrogant und nicht angemessen. Ich will den Firmen im Gegenteil neue, für sie nützliche Angebote unterbreiten. So führen wir zum Jahresanfang das 360-Grad-Prinzip ein. Das bedeutet, der Kunde hat es mit einem einzigen Gesicht auf unserer Seite zu tun. Dieser Mann oder diese Frau hören den Kommunikationsprofis der Firma zu, analysieren und bieten dann maßgeschneiderte Konzepte - von A wie Anzeige über S wie Social Media bis Z wie Zukunftskongress. Es geht uns um präzise Werbewirkung in Zeiten knapper Budgets.

Bei der Durchsetzung von Paid Content wird's jetzt aber sicher leichter, wenn ein wichtiger Wettbewerber wegfällt. Ziehen Sie Ihre Pläne daher vor?
Wir bleiben dabei: Ende Februar kommt die App "Handelsblatt live" als digitale Zeitung in drei Ausgaben am Tag. Unser Redaktionsteam in New York erstellt für sechs Uhr morgens die erste Ausgabe, direkt von der Wall Street. Börsenexperte Markus Koch, der in New York lebt, wird in einem täglich produzierten Video die US-Schlusskurse kommentieren und einen Ausblick auf den Börsentag in Frankfurt geben. Aus Düsseldorf kommt die 12-Uhr-Mittagsausgabe - Schwerpunkt Europa und das Marktgeschehen in Deutschland -, und die Ausgabe um 19 Uhr ist dann identisch mit der gedruckten Zeitung des nächsten Tages. Das Angebot wird kostenpflichtig sein.

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Das ausführliche Interview mit dem Medienmann des Jahres 2012 Gabor Steingart lesen Sie in der aktuellen HORIZONT-Ausgabe 51-52/2012 vom 20. Dezember 2012.

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Die Website Handelsblatt.de bleibt gratis?
Ja, hier bleiben wir beim werbefinanzierten Reichweitenmodell. Aber es wird keine großen Überschneidungen zur Zeitung und zur "Live"-App mehr geben. Die Webseite ist jünger, schneller und durch ihre vielen Kommentarfunktionen vielleicht auch humorvoller und kommunikativer. Junge Zielgruppen sollen für Wirtschaft interessiert werden. Wer tiefer einsteigen will, muss zahlen. Es gilt: Gutes Geld für gute journalistische Arbeit.
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