Die Gedenktafel für Ronald Reagan von Axel Springer - eine Ehrung mit Konfliktpotenzial

Mittwoch, 13. Juni 2012
Die Gedenktafel für Reagan wurde auf dem Vorplatz des Axel-Springer-Hauses in den Boden eingelassen
Die Gedenktafel für Reagan wurde auf dem Vorplatz des Axel-Springer-Hauses in den Boden eingelassen


Am 12. Juni vor 25 Jahren hielt Ronald Reagan vor dem Brandenburger Tor in Berlin seine berühmte Rede, in der er den sowjetischen Generalsekretär Michail Gorbatschow aufforderte, die Berliner Mauer einzureißen. Axel Springer ehrt den 2004 verstorbenen US-Präsidenten nun mit einer Gedenktafel für seinen Einsatz für die deutsche Wiedervereinigung. Die Würdigung des amerikanischen Präsidenten steht in der Tradition des politischen Engagements des Unternehmensgründers Axel Springer, könnte aber auch alte Ressentiments gegen den Medienkonzern wieder anheizen. "Mr. Gorbatschow, open this Gate. Mr. Gorbatschow, tear down this Wall!", rief Ronald Reagan am 12. Juni 1987 der jubelnden Menge vor dem Brandenburger Tor zu. Damals wurde die Rede des strammen Anti-Kommunisten vielfach belächelt - zu unversöhnlich standen sich die politischen Blöcke damals noch gegenüber. Rund zweieinhalb Jahre später geschah dann, wovon im Jahre 1987 noch niemand zu träumen wagte: Die Berliner Mauer fiel und mit ihr das kommunistische Regime in der DDR.

Inzwischen wird Reagans Rede mit dem Prädikat "historisch" bedacht und gilt vielen als wichtiger Meilenstein auf  dem Weg zur Deutschen Einheit: "Mit seinem flammenden Aufruf an Michael Gorbatschow am Brandenburger Tor, die Mauer nieder zu reißen, ist Ronald Reagan einer der Wegbereiter der Deutschen Einheit - ein Herzensanliegen Axel Springers. Wir freuen uns, gerade im Jahr seines 100sten Geburtstages an dieses mutige Einstehen für Freiheit und Gerechtigkeit in Deutschland mit einer Gedenktafel zu erinnern", würdigte Friede Springer bei der Enthüllung der Gedenktafel vor dem Axel-Springer-Haus in Berlin den 2004 verstorbenen US-Präsidenten.

Der US-Botschafter in Berlin, Philip D. Murphy, ging sogar noch einen Schritt weiter: "Präsident Ronald Reagan hat mit seiner historischen Rede am Brandenburger Tor einen unbestrittenen Beitrag zur Einheit Deutschlands und dem Ende des Kalten Krieges geleistet und so die Welt verändert."

Über die historische Richtigkeit dieser Aussage könnte man sicherlich kontrovers diskutieren - wie auch darüber, ob nicht ausgerechnet der damals angesprochene Michail Gorbatschow mit seinem Einverständnis zur Deutschen Wiedervereinigung einen wesentlichen größeren Anteil an der Überwindung der deutschen Teilung hatte als Reagan, der 1989 beim Fall der Berliner Mauer bereits nicht mehr im Amt war.

Von daher dürfte die öffentliche Ehrung für den Hardliner Reagan durch Axel Springer sicherlich nicht nur auf Zustimmung stoßen, sondern könnte im Gegenteil auch wieder alte Ressentiments gegen das einst als erzkonservativ geltende Verlagshaus zutage fördern. Wie konfliktträchtig eine Ehrung für den oft als "Cowboy" verspotteten Ex-Präsidenten ist, zeigt auch eine Umfrage des Berliner "Tagesspiegel", der vorschlägt, in Berlin eine Straße nach Reagan zu benennen: Eine deutliche Mehrheit von 66 Prozent lehnt den Vorschlag ab und stimmt der Aussage zu, Reagan habe als Hardliner zur Verschärfung des Kalten Krieges und der weltweiten Aufrüstung beigetragen.

Auf der anderen Seite kann man auch der Konsequenz Anerkennung zollen, mit der das Unternehmen die von Axel Springer 1967 formulierten und nach wie vor geltenden Unternehmensgrundsätze mit der Gedenktafel für Reagan nun erneut nach außen hin dokumentiert - ganz in der Tradition und im Sinne seines Gründers.

Axel Springer selbst erlebte Reagans Rede übrigens nicht mehr - er starb 1985. Sein Geist scheint aber auch im Jahr, in dem das Unternehmen den 100. Geburtstag seines Gründers begeht, noch äußerst lebendig zu sein. dh
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