Die "Focus"-App im HORIZONT-Check: Navigation mit der Wäscheleine

Dienstag, 18. September 2012
Die Focus-App ist seit Sonntag über iTunes und Google Play erhältlich
Die Focus-App ist seit Sonntag über iTunes und Google Play erhältlich


Gut Ding will Weile haben: Recht lange hat sich Hubert Burda Media Zeit gelassen, sein Nachrichtenmagazin "Focus" der steigenden Zahl der Tablet-Besitzer auch als App anzubieten. Seit Sonntag ist der "Focus" auch als App für das iPad und Android-Tablets verfügbar. Das Ergebnis überzeugt: Die App ist solide gemacht, die Navigation klappt intuitiv und stellt den Nutzer nicht vor Rätsel. Das ganze Potenzial eines Tablet schöpft die App indes nicht aus: Multimediale Inhalte kommen nur recht spärlich zum Einsatz.

Das Layout

Die Gestaltung der "Focus"-App orientiert sich recht eng am Layout der Print-Ausgabe. Größere Geschichten erkennt man auf Anhieb an einem großen tragenden Bild, das sich über die gesamte Breite des Screens erstreckt - die App bietet lediglich eine Ansicht im Querformat, was der klassischen Lesesituation eines Printmagazins entspricht. Auf eine Hochkant-Ansicht hat man beim "Focus" verzichtet, vermutlich auch aus Kostengründen - man vermisst sie aber auch nicht. Im Gegenteil: Gerade bei großformatigen Bildern, die den "Focus" von seinem Hauptkonkurrenten abheben, kommen in der Queransicht gut zur Geltung. Die typischen Layout-Elemente des "Focus" wie rot unterlegte Schlagworte und Seitenköpfe finden sich auch in der App wieder und tragen zu einem hohen Wiedererkennungswert bei.

Die Navigation mit der "Wäscheleine" überzeugt
Die Navigation mit der "Wäscheleine" überzeugt

Die Navigation

Mit einer guten und intuitiven Navigation steht und fällt der Spaß an einer Magazin-App - und hier erlaubt sich der "Focus" keine Schwäche: Der Nutzer kann entweder über eine vertikale oder eine horizontale Artikelübersicht durch die Inhalte einer Ausgabe navigieren. Vor allem die horizontale Artikelübersicht - "Focus"-intern als "Wäscheleine" bezeichnet - überzeugt: Knapp vier Seiten passen in der horizontalen Übersicht nebeneinander auf den Bildschirm, die Überschriften bleiben dabei gut lesbar. Wer sich schnell einen Überblick über die Inhalte verschaffen will, kann mit der "Wäscheleine" die Ausgabe zügig duchblättern. Ein weiterer Vorteil dieser Ansicht: Der Nutzer sieht auf Anhieb, wie lang die jeweilige Seite ist, was bei der vertikalen Inhaltsübersicht nicht der Fall ist.

Auch über die Inhaltsseite kann man durch einen Tipp auf die Überschrift oder das Bild direkt zu dem jeweiligen Beitrag springen. Die teilweise kritisierte unterschiedliche Navigation innerhalb einer Seite folgt ebenfalls einer eigenen Logik: Bei längeren Fließtexten kann man stufenlos nach unten und oben scrollen, sind auf einer Seite Umbrüche oder mehrere kleinere Artikel, springt die Ansicht automatisch zum nächsten Abschnitt. Allerdings kommt bei längeren Texten mal die eine, mal die andere Methode zum Einsatz. In der Praxis stört das aber nicht.

Die multimedialen Inhalte

Gelungen: Die interaktive Grafik zum Oktoberfest
Gelungen: Die interaktive Grafik zum Oktoberfest
"Focus"-Chefredakteur Uli Baur hatte bereits vor dem Start der App Erwartungen gebremst, der "Focus" brenne könne in seiner App ein multimediales Feuerwerk abbrennen: Man habe bei der Konzeption der App bewusst auf "Effekthascherei verzichtet und technologische Möglichkeiten vor allem dort genutzt, wo es für unsere Leser Sinn macht und Mehrwert schafft", betonte Baur. Ein bisschen mehr multimediale Elemente hätten es indes schon sein dürfen: In der ersten Ausgabe muss man Zusatzelemente, die schließlich den wesentlichen Mehrwert einer App zur gedruckten Ausgabe bieten, fast schon suchen.

Die Heft-DVD zum Aufmacherthema "Die Heilkraft der Natur" ist auch als Video in der App verfügbar. Sehr gelungen ist die interaktive Grafik zum Münchner Oktoberfest, die anschaulich beschreibt, wie ein Wiesnzelt aufgebaut ist und funktioniert. Die Bestsellerlisten verlinken zudem direkt zu Amazon, bei der Kino-Hitliste gelangt der Nutzer nach einem Klick auf den Film direkt zum dazugehörigen Trailer auf Youtube. Das war's allerdings auch schon. Hier hätte man sich vom traditionell bildstarken "Focus" noch die eine oder andere Bildergalerie oder andere Zusatzelemente erhofft.

Fazit

Die "Focus"-App kann überzeugen: Die Navigation klappt intuitiv und mühelos, das Layout lehnt sich gut erkennbar am Magazin an, die Inhalte entsprechen weitgehend der gedruckten Ausgabe. Die technisch grundsolide App bietet Nutzwertjournalismus in bewährter "Focus"-Machart. Echte Überraschungsmomente bleiben aber weitgehend aus - sowohl positive als auch negative. Ein bisschen mehr Effekthascherei würde der App womöglich sogar ganz gut tun. dh
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