Die FAZ will nicht von der taz gerettet werden

Samstag, 18. Mai 2002

Die "Tageszeitung" ("taz") darf die überregionale Konkurrenz nicht retten. Das Blatt hatte am vergangenen Wochenende in großformatigen Anzeigen seine Leserschaft dazu aufgerufen, die ebenfalls unter der Anzeigenflaute leidende Konkurrenz von "FAZ", "Süddeutscher Zeitung", "Welt", "Financial Times Deutschland" und "Bild" mit Abonnements zu unterstützen.

Wie "taz"-Kommunikationschefin Stefanie Urbach sagte, waren die Reaktionen auf die Rettungskampagne unterschiedlich. "Während der Axel-Springer-Verlag in einem Telefonat freundlich um ein Unterlassen der Werbeaktivitäten bat, schickten die ´FAZ' und die ´SZ' ihre Anwälte vor. Statt sich über die Solidarität der Branchenkollegen zu freuen, fühlen sich ´SZ' und Co. durch den Rettungsappell herab gesetzt. Außerdem sei diese Form von vergleichender Werbung wettbewerbswidrig."

Laut Urbach ist immerhin ein Solo-Abonnement für die "FAZ" eingegangen. Das Abonnement für die "FAZ" werde selbstverständlich ordnungsgemäß weitergeleitet, verspricht Thilo Knott, verantwortlicher Redakteur für besondere Aufgaben. "Wir verzichten natürlich auf die Vermittlungsprämie. In solchen Zeiten hat niemand etwas zu verschenken. Auch die ´FAZ' nicht. Und mit Solidarität kennt sich die ´taz' ja aus."

Die "taz" hatte in den Anzeigen die Sparmaßnahmen ihrer Mitbewerber veröffentlicht und dem entgegengehalten, dass im Verlagshaus an der Berliner Kochstraße weder Personal noch Seiten reduziert würden. Weil die Lage dramatisch bleibt, ruft die "taz" an diesem Wochenende zur Rettung der gesamten Pressevielfalt auf.
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