"Die Bauretter" im HORIZONT-Check: "Zuhause im Glück" reloaded

Mittwoch, 15. August 2012
John Kosmalla (l.) und Manuela Reibold-Rolinger (r.) sind "Die Bauretter"
John Kosmalla (l.) und Manuela Reibold-Rolinger (r.) sind "Die Bauretter"


Wer klein ist, muss immer etwas lauter auf die Pauke hauen, um gehört zu werden. Und so schlägt RTL 2 nach wie vor gerne mal etwas schrillere Töne an - und feiert damit in letzter Zeit beachtliche Erfolge. Doch der vermeintliche Krawallsender kann auch anders: "Die Bauretter" ist eine fast schon rührend altmodische Doku-Soap, die völlig darauf verzichtet, ihre Protagonisten in irgendeiner Weise vorzuführen oder bloßzustellen. Das Schöne daran: Es kommt sogar gut an. Im Grunde ist "Die Bauretter" ein Spin-Off der Doku-Soap "Zuhause im Glück": Während dort die Architekten John Kosmalla und Eva Brenner Familien in Notsituationen mit einer Komplettsanierung ihrer meist heruntergekommenen Häuser tatkräftig unter die Arme greifen, kommen "Die Bauretter" Opfern von Pfuschen und Betrügern am Bau zu Hilfe. Architekt John Kosmalla ist auch bei den "Baurettern" der Fachmann für alle notwendigen Baumaßnahmen, statt einer Innenarchitektin hat er in der neuen Sendung mit Manuela Reibold-Rolinger allerdings eine auf Baurecht spezialisierte Rechtsanwältin an seiner Seite.

Die Mission ist allerdings fast die gleiche wie bei "Zuhause im Glück": Zusammen mit einem Team von Handwerkern und Helfern versuchen die beiden, Familien aus der Patsche zu helfen, die aufgrund von Baupfusch in halbfertigen und maroden Häusern wohnen müssen. Während Architekt Kosmalla mit seinem Team die schlimmsten Baumängel beseitigt, versucht Anwältin Reibold-Rolinger bei den verantwortlichen Baufirmen Schadensersatz geltend zu machen oder sie zur Beseitigung der Mängel zu bewegen. In der ersten Folge hatte das Team gleich eine Herkulesaufgabe zu bewältigen: Ein Haus, bei dem das Kellergeschoss zu niedrig und damit anders als geplant nicht bewohnbar war, wurde von einer Spezialfirma kurzerhand horizontal aufgesägt und angehoben.

Das Ergebnis kann im Großen und Ganzen überzeugen: Mit ständigen Schnitten zwischen der Baustelle und den Gesprächen der Anwältin werden die Bemühungen der Bauretter manchmal etwas arg bemüht dramatisiert - bei fast zwei Stunden Sendedauer ist die eine oder andere Länge aber dennoch nicht zu vermeiden. Und bei der ausgiebig und immer wieder in Zeitlupe zelebrierten Übergabe des sanierten Hauses an die überglückliche Familie drückt die Produktion schon ziemlich übertrieben auf die Tränendrüse.

Doch das Konzept, das sich bei "Zuhause im Glück" über Jahre hinweg bewährt hat, erfüllt auch hier seinen Zweck: Wenn nach zwei Stunden die verzweifelte Familie ihr Haus endlich wieder in bewohnbarem Zustand in Besitz nehmen kann, unterstützt von RTL 2 und zahlreichen gut ins Bild gerückten Firmen, glaubt man wieder ein klein wenig mehr an das Gute im Menschen und schaltet mit einem guten Gefühl den Fernseher aus. Viel mehr kann man von einer Doku-Soap eigentlich nicht erwarten.

Auch bei den Zuschauern konnten "Die Bauretter" auf Anhieb punkten: Die erste Folge erzielte in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen einen sehr guten Marktanteil von 8,5 Prozent. Die Chancen stehen also nicht schlecht, dass "Die Bauretter" künftig regelmäßig anrollen. dh
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