Deutschlandfunk: Politik mischte bei Berufung des Programmdirektors mit

Dienstag, 26. Juli 2011
Willi Steul konnte seinen Wunschkandidat offenbar nicht durchsetzen
Willi Steul konnte seinen Wunschkandidat offenbar nicht durchsetzen

Der ZDF-Staatsvertrag steht wegen der ungenierten Einflussnahme der Politik bei der Berufung des Chefredakteurs noch auf dem Prüfstand, da wird schon der nächste Fall bekannt: Bei der Benennung des neuen Programmdirektors beim Deutschlandradio hat die Politik offenbar erneut kräftig mitgemischt. Nach einem Bericht des "Kölner Stadtanzeigers" (KSTA) wollte Intendant Willi Steul eigentlich Christian Gramsch, derzeit Programmdirektor der Deutschen Welle in Berlin, für den Posten vorschlagen. Gramsch, zuvor unter anderem Chefredakteur Hörfunk des Hessischen Rundfunks, galt als hervorrragender Kandidat für den Posten. Allerdings sprach offenbar die politische Farbenlehre gegen ihn. Intendant Steul gilt als CDU-nah. Bei der Auswahl des Programmdirektors sah sich daher wohl die SPD am Zug. Gramsch sei nicht mehrheitsfähig, wurde dem Intendanten signalisiert. Stattdessen ist die Rede von einer Liste, auf der die Namen von vier geeigneten Kandidaten standen. Darauf fand sich auch der Name von Andreas-Peter Weber, der vergangenen Woche vom Verwaltungsrat denn auch "einvernehmlich bestätigt" wurde.

Treibende Kraft hinter der personalpolitischen Einflussnahme soll laut "Kölner Stadtanzeiger" Martin Stadelmaier, Leiter der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz sein, die die Medienpolitik der Bundesländer koordiniert.

Pikant an der Geschichte: Ausgerechnet der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck hat wegen der von der CDU betriebenen Ablösung des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender einen Normenkontrollantrag vor dem Bundesverfassungsgericht eingereicht. Erklärtes Ziel ist es, den Einfluss der Politik auf das ZDF zu beschneiden. dh
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