Deutsches Mobile Marketing droht den Anschluss zu verpassen

Donnerstag, 02. Juli 2009
IAC-Chefin Karin Gebhardt
IAC-Chefin Karin Gebhardt

Deutschland droht beim Zukunftsmarkt Mobile Marketing ins Hintertreffen zu geraten. "Wir müssen aufpassen, das wir den Anschluss nicht verlieren", sagte Karin Gebhardt, Managing Director der Nürnberger Markenberatungsagentur Icon Added Value (IAV), auf dem Deutschen Online Marketing Kongress von HORIZONT in Bad Homburg. Als Beleg führte sie mehrere Studien an, die den Rückstand des deutschen Marktes für mobile Werbung dokumentieren. So liegt Deutschland beispielsweise laut Comscore bei der Verbreitung der entsprechenden Technologien im internationalen Vergleich weit zurück. Italien, Spanien, die USA und Großbritannien haben einen deutlichen Vorsprung und weisen zumeist auch erheblich höhere Wachstumsraten aus. Als Grund nannte die Managerin die Tatsache, dass Deutsche - ebenso wie die Franzosen - die klassischen Funktionalitäten mobiler Endgeräte, also Telefonie, SMS, Wecker und Terminkalender, bevorzugen. Andere Nationalitäten betrachteten das Handy hingegen eher als Spielzeug, Statussymbol und modisches Accesoire. "In Deutschland ist das Auto nach wie vor das liebste Spielzeug", sagt Gebhardt. Und: "Der spielerische Faktor ist bei uns nicht so stark gegeben."

Daher bestehe für Mobile-Marketing-Anbieter die größte Herausforderung darin, die "Adaption der innovativen Technologien bei den Usern zu steigen".

Weitere Gründe für die schleppende Entwicklung der mobilen Internetnetzung seien undurchsichtigte Tarife der Provider, geringe Marketingbudgets, die komplizierte Rechtslage und das Fehlen technischer Standards. 

Wenn es gelinge, diese Hindernisse zu überwinden, könne sich das Mobile Marketing schon bald endgültig in Deutschland durchsetzen. "2011 könnte das Durchbruchsjahr werden", prognostiziert Gebhardt. Wachstumstreiber seien vor allem die Fußball-Weltmeisterschaft und die Olympischen Winterspiele im kommenden Jahr. Mobile Marketer könnten diese Entwicklung unterstützen, indem sie "in dem Land, in dem Geiz geil ist", verstärkt auf Mobile Couponing setzen. Außerdem rät sie den Spezialisten, mobile Angebote zu starten, die den Nutzern einen gewissen Mehrwert bieten, zum Beispiel Kalorienzähler oder Tankstellen-Finder. "Der Clou besteht darin, Werbung zu schalten, die nicht als solche wahrgenommen wird."

Der erste Deutsche Online Marketing Kongress wurde von HORIZONt und der Schwesterfirma The Conference Group veranstaltet und beleuchtete sämtliche Facetten der Internetwerbung. Unter den insgesamt 50 Referenten und Panel-Teilnehmern befanden sich prominente Branchenvertreter wie Frank Bachér von Interactive Media, United-Internet-Media-Vorstand Matthias Ehrlich, Peter Württenberger (Axel Springer), Arndt Groth (BVDW), Andreas Gahlert (Neue Digitale/Razorfish), Michael Frank (Plan.net), Joel Berger (My Space) und Terry von Bibra (Yahoo Deutschland). Der Branchentreff war mit 200 Teilnehmern ausverkauft. Der nächste Online Markting Kongress wird voraussichtlich im Juli kommenden Jahres stattfinden. brö



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