Deutsche Welle will in die Champions League aufsteigen

Dienstag, 30. März 2010
DW-Intendant Erik Bettermann: Regionalliga oder Champions League?
DW-Intendant Erik Bettermann: Regionalliga oder Champions League?

Die Deutsche Welle (DW) will künftig stärker mit anderen Medienunternehmen zusammenarbeiten, um die Außendarstellung Deutschlands weiter zu verbessern. "20 Jahre nach der deutschen Einheit muss Deutschland wissen, ob es in seiner medialen Außendarstellung in der Regionalliga oder in der Champions League spielen will", sagte Intendant Erik Bettermann bei der Vorstellung der Planung bis 2013. Durch die Globalisierung habe sich die Bedeutung einer weltweiten medialen Präsenz deutlich erhöht. Zugleich habe sich die Wettbewerbsintensität durch international agierende Sender "deutlich verschärft". Es sei daher eine "patriotische Verpflichtung", die attraktiven Inhalte, die man hierzulande habe, besser nach außen zu tragen.

Dafür sucht der Intendant des deutschen Auslandsrundfunks nun den Schulterschluss sowohl mit öffentlich-rechtlichen als auch privaten Rundfunkanbietern. Bettermann: "Verantwortung tragen alle, die ein originäres Interesse an einer starken weltweiten Medienpräsenz unseres Landes haben." Mit der geringen Anbindung der Deutschen Welle an die deutsche Medienlandschaft sei ansonsten ein leistungsstarkes Angebot "kaum in der gebotenen Qualität zu gewährleisten".

Auch an die Medienpolitik appelliert Bettermann, trotz der unterschiedlichen Zuständigkeiten zusammenzuarbeiten: "Wir brauchen den politischen Willen, die DW als die mediale Visitenkarte der Bundesrepublik in der Welt zu stärken". Während die Länder für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Inland zuständig sind, verantwortet der Bund die Außendarstellung der Bundesrepublik und damit auch die Finanzierung des Auslandrundfunks. "Die unterschiedlichen Zuständigkeiten für Inlands- und Auslandsrundfunk dürfen kein Hindernis für eine erfolgreich Zusammenarbeit der öffentlich-rechtlichen und privaten Anbieter mit der DW bilden", so der Appell von Bettermann. 

Er habe bereits mit den meisten Ministerpräsidenten über sein neues Konzept gesprochen und dabei "sehr viel Zustimmung" erhalten. Bei der ARD sei bereits eine Arbeitsgruppe unter Leitung des ARD-Vorsitzenden Peter Boudgoust gebildet worden.

Bettermann begründet seinen Vorstoß auch mit der angespannten finanziellen Lage der Deutschen Welle. Für das laufende Haushaltsjahr wurden der DW die Mittel um zwei Millionen auf 273 Millionen Euro gekürzt. Dem stehe durch Kostensteigerungen und Tariferhöhungen ein Mehrbedarf von 16,4 Millionen Euro bis 2013 gegenüber. Die Deutsche Welle hatte gestern erstmals einen Evaluationsbericht vorgelegt. Dieser ist in dem seit 2005 geltenden DW-Gesetz vorgeschrieben. Demnach erreicht die DW jede Woche rund 90 Millionen Zuschauer, Hörer und Internetnutzer. dh
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