Deutsche Post und Verleger begraben Kriegsbeil

Montag, 05. Mai 2008
Post-Vorstand Jürgen Gerdes legt "Online Aktuell" zunächst auf Eis
Post-Vorstand Jürgen Gerdes legt "Online Aktuell" zunächst auf Eis

Die Deutsche Post gibt im Konflikt um das geplante Anzeigenblatt "Online Aktuell" klein bei. Wie HORIZONT.NET aus Unternehmenskreisen erfuhr, wird der gelbe Riese  das Projekt in seiner ursprünglich geplanten Form vorerst auf Eis legen. Damit hat sich der Verband der Deutschen Zeitschriftenverleger (VDZ) im Konflikt mit dem Bonner Unternehmen zunächst durchgesetzt. Nach der Ankündigung der Post, mit "Online Aktuell" ein Wochenblatt in Millionenauflage zu den Themen Internet, Telekommunikation und Computer herausbringen zu wollen, hatte VDZ-Geschäftsführer Wolfgang Fürstner Anfang April noch damit gedroht, "mit allen politischen, wirtschaftlichen und juristischen Mitteln" dagegen vorzugehen, da das Vorhaben nach Ansicht des Berliner Verbands gegen das Kartellrecht verstoßen hätte. 

Zu einer juristischen Auseinandersetzung wird es nun offenbar gar nicht erst kommen. Wie der VDZ in einer staatstragend formulierten Mitteilung wissen lässt, wollen der Verband und die Deutsche Post nun sogar eine verstärkte Zusammenarbeit suchen, um die künftigen Herausforderungen – insbesondere im Bereich der Online-Kommunikation – besser bewältigen zu können.

So wollen Post und VDZ etwa neue Geschäftsmodelle entwickeln, in die beide Seiten die Kompetenzen aus ihren Kerngeschäftsfeldern einbringen. Geprüft werden gemeinsame Projekte zur weiteren Optimierung der Logistikketten, Aktivitäten im Bereich der Abonnement-Gewinnung, der Zielgruppenselektion und der reichweitenstarken Vermarktung. Auch neue Produkte, die den Verbrauchern die Nutzung von Zeitschriften erleichtern, sollen Thema sein. 

Staatstragende Worthülsen

Friede, Freude, Eierkuchen. Wochenlang hat der VDZ den Untergang der abendländischen (Medien-)Kultur beschworen, wenn die Rede auf die Zeitungspläne der Deutsche Post kam .(Nur die Internet-Strategie der Öffentlich-Rechtlichen sorgt beim Zeitschriftenverleger-Verband für ähnlichen Zorn.) Nun sind die erbitterten Kontrahenten auf einmal beste Freunde? Wer's glaubt, wird selig. Der vom VDZ und der Post herausgegebene Pressetext   ist so nebulös wie staatstragend. Das Kriegsbeil mag zwar begraben sein. Aber jeder Karl-May-Leser weiß: Kriegsbeile sind auch schnell wieder ausgebuddelt. Volker Schütz

Die Deutsche Post bemüht sich derweil, ihr Entgegenkommen als nicht zu großzügig erscheinen zu lassen. "Online Aktuell war von Anfang an auf Kooperation ausgelegt und ist auch nicht vom Tisch", so Sprecher Uwe Bensien gegenüber HORIZONT.NET. Vorstand Jürgen Gerdes, der das Projekt "Online Aktuell" angeschoben hatte, argumentiert ähnlich: "Es gilt das, was wir immer gesagt haben. Wir möchten den Verlagen - wie in allen anderen Kundensegmenten auch - proaktiv neue Ideen und Geschäftsmodelle anbieten, die wir dann gemeinsam zum Erfolg führen", so Gerdes.  "Die Kombination der Stärken beider Partner - Redaktion und Content auf Seiten der Verleger und logistische Qualität und Reichweite auf der Seite der Deutschen Post - sollten zu Erfolg versprechenden neuen Produkten führen können", so Gerdes weiter. Auch der VDZ gibt sich optimistisch. "Wir nehmen positiv zur Kenntnis, dass die Deutsche Post mit den Zeitschriftenverlegern an den Lösungen der Zukunft bauen will. Durch eine verstärkte Partnerschaft könnten sich neue Perspektiven ergeben, durch die beide Seiten deutlich profitieren“, so VDZ-Chef Fürstner.
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