Deutsche Post plant Anzeigenblätter / VDZ kündigt Widerstand an

Donnerstag, 10. April 2008
Die Post tritt im Kampf um Werbegelder gegen Medienunternehmen an
Die Post tritt im Kampf um Werbegelder gegen Medienunternehmen an

Die Deutsche Post macht Verlagen und Medienhäusern eines ihrer Kerngeschäfte streitig. Das Bonner Unternehmen will im großen Stil in den Markt für überregionale Anzeigenblätter einsteigen. Zunächst ist ein Wochenblatt in Millionenauflage geplant, das über die Themen Internet, Telekommunikation und Computer berichten wird. Dies sagte Post-Vorstand Jürgen Gerdes der "Financial Times Deutschland" (FTD). In den nächsten Wochen will der Konzernvorstand über das Projekt entscheiden.

Grund für den Vorstoß ist laut Gerdes das attraktive Werbegeschäft, vor allem Gelder, die bisher in TV und Online fließen: "Die Eroberung von Werbegeldern steht für uns ganz weit oben." Bei Erfolg sollen jährlich dreistellige Millionenumsätze mit dem Post-Publikationen erzielt werden.

Mit der kostenlosen Beilage "Einkauf Aktuell", hat die Deutsche Post bereits ein Pilotprojekt gestartet. Hiermit werden laut Gerdes bereits Erlöse von 100 Millionen Euro erzielt.

Zudem arbeitet die Deutsche Post derzeit in einem weiteren Pilotprojekt mit der WAZ-Mediengruppe bei der Zustellung unadressierter Werbesendungen zusammen.

Laut "FTD" kann sich Gerdes vorstellen, auch bei der Zustellung und der Entwicklung redaktioneller Inhalte der neuen Zeitschriften enger mit Verlagen zu kooperieren. Laut einem Post-Sprecher laufen derzeit Gespräche. Zudem kursiert das Gerücht, dass der Berliner Dienstleister Aktuell Medien Redaktionsgesellschaft unter der Leitung von Klaus Madzia die Post bei dem Projekt unterstützen soll. Medienberater Madzia sagte dazu: "Die Post ist unser Kunde. Wir entwickeln für sie das ein oder andere Projekt."

Beim Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) in Berlin stoßen die Pläne der Post auf vehemente Kritik. "Die Folgen wären weitreichend, da sie die Strukturen des Zeitschriftenmarktes erodieren und in der Folge den Bestand vielfältiger Qualitätszeitschriften sowie zahlreiche Arbeitsplätze gefährden", erklärt VDZ-Geschäftsführer Wolfgang Fürstner. Nach Ansicht des Verbands ist ein derartiges Vorhaben kartellrechtlich bedenklich, da sich die Post eine vertriebliche Quersubventionierung über die Briefzustellung zunutze machen könne. Zudem sei aufgrund der staatlichen Mitbeherrschung das verfassungsrechtliche Verbot der Staatsfreiheit der Presse verletzt. Die Zeitschriftenverleger machen ihre Entschlossenheit im Kampf gegen das Vorhaben deutlich, indem sie in einer schriftlichen Stellungnahme ankündigen, dagegen "mit allen politischen, wirtschaftlichen und juristischen Mitteln vorzugehen".
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