Deutsche Digitalcharta: Fürsprecher fordern Verbesserung der digitalen Infrastruktur

Montag, 27. August 2007

Damit Deutschland nicht den internationalen Anschluss verliert, fordern das Deutsche Digital Institut und verschiedene Prominente die Gesellschaft auf, die Digitalisierung voran zu treiben. "Wir halten das für ein Thema von übergreifender Relevanz. Politik, Wirtschaft, Kultur, Medien, auch der Daten- und Verbraucherschutz - alle sind gefordert", sagte Bernd Schiphorst, Beiratsvorsitzender des von Jo Groebel als Direktor geführten Digital Instituts in Berlin. Entgegen der eher positiven Berichterstattung in den Medien, hinke Deutschland hinter anderen europäischen Ländern und auch im weltweiten Vergleich hinterher, beklagen Schiphorst und Groebel in der von ihnen herausgegebenen Studie "Deutsche Digitalcharta".

So liegt Deutschland zum Beispiel mit einer Breitbandversorgung von rund 50 Prozent der Haushalte deutlich hinter dem EU-Durchschnitt von 62 Prozent. Bei der TV-Nutzung ist das Bild noch ernüchternder: Nur ein Drittel der Bürger empfangen Fernsehen digital. Außerdem geben 80 Prozent der Bürger an, nicht an der Digitalisierung interessiert zu sein, weil ihnen der Mehrwert nicht nahe gebracht werde, so die Studie.

Auch im Bereich Wirtschaft und Arbeit macht Groebel "in einigen Bereichen erschreckende Situationen" aus: So fehlt es an gut ausgebildeten Arbeitskräften. Der Mangel wirkt sich negativ auf die Innovationsfähigkeit und damit die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands insgesamt aus. Dramatisch sei auch die sich auftuende Alterskluft: Die über 60-Jährigen bleiben in der Online-Nutzung immer weiter hinter den Jüngeren zurück.

Die in der Digitalcharta zusammengetragenen Zahlen sollen in Kooperation mit der Freien Universität Berlin jährlich aktualisiert und vorgestellt werden. Schiphorst hofft auf "eine Art Pisa-Studie", die Deutschlands Stellung im internationalen Vergleich zeigt. Konkrete Handlungsempfehlungen erhält die erste Auswertung jedoch nicht, die mit Experten in Berlin diskutiert wird.

Zu den Paten gehören unter anderem Sony-Deutschland-Chef Manfred Gerdes, Scholz & Friends-Vorstandsvorsitzender Thomas Heilmann, "Welt am Sonntag"-Chefredakteur Christoph Keese, Europaabgeordnete Silvana Koch-Merin und RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel. pap



Meist gelesen
stats