Deutsche Bank und Kirch standen offenbar kurz vor der Einigung

Freitag, 02. Dezember 2011
Der Pleite der Kirch-Gruppe beschäftigt die Gerichte bis heute
Der Pleite der Kirch-Gruppe beschäftigt die Gerichte bis heute

Die Deutsche Bank hätte sich und einigen ihrer Top-Manager etliche Gerichtsverhandlungen und viel Ärger ersparen können. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, hatte die Bank mit den Anwälten von Leo Kirch vor rund einem Jahr bereits einen Vergleich ausgehandelt, um den seit fast zehn Jahren andauernden Streit um die Pleite der Kirch-Gruppe zu beenden. Doch die Bank zog ihr Angebot offenbar im letzten Moment wieder zurück. 900 Millionen Euro - diese stolze Summe wollte sich die Deutsche Bank den Frieden mit Leo Kirch und seinen Anwälten vor rund einem Jahr offenbar kosten lassen, berichtet die "SZ". Der Vergleich war demnach auf Vermittlung des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer zustande gekommen. Otto Wiesheu, der ehemalige bayerische Wirtschaftsminister hatte die geheimen Verhandlungen für die Kirch-Seite geführt, der Düsseldorfer Anwalt Michael Hoffmann-Becking für die Deutsche Bank. Doch ein Urteil des Landgerichts München verhinderte eine Einigung schlussendlich.

Die Richter hatten geurteilt, dass die Bank und ihr damaliger Chef Rolf Breuer Kirch nicht hintergangen hatten und demnach auch nicht schadensersatzpflichtig sind. Die Deutsche Bank zog ihr Angebot daraufhin zurück. Vermutlich hatte sie auch keine andere Wahl, mutmaßt die SZ: Ansonsten hätten sie sich die Bank und ihr Chef Josef Ackermann womöglich der Veruntreuung von Bankvermögen schuldig gemacht.

Das Urteil des Landgerichts München betraf allerdings nur die Beteiligung Kirchs an Axel Springer. Derzeit läuft vor dem oberlandesgericht München ein weiterer Prozess der Kirch-Vertreter gegen die Deutsche Bank. Im Frühjahr hatte die Deutsche Bank einen Vorschlag des Gerichts zu einem Vergleich über 775 Millionen Euro allerdings zurückgewiesen. Der Prozess hält die Bank weiter auf Trab: Inzwischen ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft gegen Ackermann, Breuer und weitere Manager der Bank wegen des Verdachts des Prozessbetruges. Die Manager sollen vor Gericht falsch ausgesagt haben. Der Kampf Kirch gegen die Deutsche Bank geht weiter. dh
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