Deutsche Bank gerät im Kirch-Prozess unter Druck

Dienstag, 09. Oktober 2012
Der Deutschen Bank droht eine Verurteilung zu Schadensersatz in Millionenhöhe
Der Deutschen Bank droht eine Verurteilung zu Schadensersatz in Millionenhöhe


Die Deutsche Bank ist im Schadensersatzprozess um die Pleite der Kirch-Gruppe im Jahr 2002 weiter in die Defensive geraten. Das Oberlandesgericht München hält es für "sehr wahrscheinlich", dass die Bank den Medienkonzern kurz vor der Insolvenz im Jahr 2002 gezielt unter Druck gesetzt hat. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Kirch-Erben Schadensersatz zugesprochen bekommen.
  Der letzte Verhandlungstag vor dem Münchner Oberlandesgericht am Montag lief Medienberichten zufolge nicht gut für die Deutsche Bank. Das Gericht hält es für "sehr wahrscheinlich", dass der ehemalige Vorstandschef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, den Medienunternehmer Leo Kirch gezielt unter Druck gesetzt hat. Nach Ansicht der Richter hatte die Bank offenbar das Ziel, die Umstrukturierung des taumelnden Medienkonzerns zu begleiten oder eine Sanierung an der Bank vorbei zu verhindern. Die Bank habe die Einschränkung der wirtschaftlichen Bewegungsfreiheit des Unternehmens dabei "zumindest billigend in Kauf genommen".

Neben den möglichen Schadensersatzzahlungen droht auch einigen ehemaligen Managern der Deutschen Bank Ärger. Die Richter sahen gravierende Widersprüche zwischen den Ergebnissen der Beweisaufnahme und den Aussagen mehrerer ehemaliger Bankvorstände. Es falle dem Gericht "sehr schwer", den Vorträgen der Bank Glauben zu schenken. "Wir haben Schwierigkeiten, Ihnen zu folgen", sagte der Vorsitzende Richter Guido Kotschy den Vertretern der Deutschen Bank. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit gegen die ehemaligen Bankchefs Rolf Breuer und Josef Ackermann sowie zwei weitere ehemalige Manager der Deutschen Bank wegen versuchten Prozessbetrugs. 

Am Freitag will das Gericht nun die mögliche Schadenshöhe klären. Einen Vergleichsvorschlag in Höhe von 775 Millionen Euro hatte die Deutschen Bank im Frühjahr abgelehnt. dh
Meist gelesen
stats