Der Unbestechliche - Zum Tod von Werner Butter

Dienstag, 27. Januar 2009
Werner Butter
Werner Butter

Ein Nachruf von Reinhold Scheer, ADC-Mitglied und langjähriger Weggefährte von Werner Butter Als wäre es gestern. Werner Butter sitzt in seinem Büro, es ist 10.00 Uhr, vielleicht später. Der Tag beginnt mit der Zeitung. Werner Butter liest sie als politisch engagierter und politisch sehr gut informierter Mensch. Natürlich liest er auch das Feuilleton und den Sportteil und den Klatsch. Und während er liest, kommt die Agentur auf Touren, die Büros füllen sich, hie und da taucht schon ein Stück Arbeit auf. Es war nicht die hohe Zeit der Stundenzettel, aber es wurde, wie jedermann weiß, hervorragend und engagiert gearbeitet.

Als wäre es gestern.

Der runde Tisch. Werner Butter, Helmut Schmitz, Ritchie Bairstow. „Es gibt Formen, die man nicht verbessern kann.“ „Da weiß man, was man hat.“ „Er läuft und läuft und läuft.“ Und natürlich gibt es nicht nur diesen einen Etat. Es gibt Aral und Uniroyal und o.b. und andere. Alle haben sich an dem Niveau zu orientieren, das diese drei Männer für die Werbung in Deutschland definieren. Und wenn die angestellten Texter es einmal nicht erreichen, dann schreibt Werner Butter am Wochenende eben selbst. Sieben Long Copies über die geheimnisvolle Welt der Teezubereitung zum Beispiel.

Als wäre es gestern.

Der runde Tisch. Mit Spielkarten und riesigen, gefüllten Aschenbechern und einer Flasche Chivas Regal (oder zwei) und Männern mit Zetteln in der Hemdtasche, auf denen Zahlen stehen, die einem Juniortexter das Spiel vermiesen. Bei Sonnenaufgang ist es vorbei, bei Sonnenuntergang geht es weiter, hart aber unterhaltsam.

Als wäre es gestern.

Ein Pförtner mit Cowboyhut und Pfeife. Doyle, Dane, Bernbach. Die berühmte Agentur in der Düsseldorfer Schadowstraße. Das ist viele Jahre her.

Vor wenigen Tagen ist Werner Butter auf Mallorca gestorben.

Sein Tod ist Anlass, sich das Erinnern nicht allzu leicht zu machen. Seiner Intelligenz, seiner Kraft und seiner Kreativität ist es mit zu verdanken, dass die großartige amerikanische Agenturphilosophie von Bill Bernbach nicht einfach um einen deutschen Standort erweitert wurde. DDB Düsseldorf war eine authentische, eigenständige, manchmal eigensinnige deutsche Agentur-Interpretation, die sich den Respekt der Mutter in New York sicherte. Ja, New York konnte stolz sein auf das, was bei DDB in Deutschland geleistet wurde. Das Produkt der Agentur wurde von Kreativität bestimmt und Kreativität bestimmte den wirtschaftlichen Erfolg. Damit hat DDB Düsseldorf den Grundstein für eine eigene deutsche Werbe-Kultur gelegt und einen Wettbewerb unter den Agenturen ausgerufen, der bis heute anhält und Agenturen permanent und immer neu motiviert, sich für kreative Werbung einzusetzen.

An einem anderen Wettbewerb war Werner Butter nie interessiert. Niemals hätte er den heute so klamm und so selbstverständlichen Deal von entweder Kreativität oder Geld zugelassen. Sein Medium war die Sprache und er wusste genau, dass das veröffentlichte Wort zugleich Chance und Verpflichtung war. Warum sollte Werbung dümmer daherkommen als andere Medien? Warum sollte eine Anzeige weniger anspruchsvoll sein als ein Kommentar in der Presse? Warum sollte ein Spot nicht die Chance nutzen, Millionen Menschen zu erheitern, so wie es der Film im Kino auch immer wieder versucht?

Um andere Menschen zu fordern, hat sich Werner Butter selbst gefordert. Beim Schreiben und im Gespräch, bei der Arbeit und privat. Er hat eben keinen Unterschied gemacht zwischen einem blöden Leben im Büro und einem schönen Leben nach Feierabend. Deshalb war er in jedem Augenblick authentisch und deshalb gelang es ihm, eine Agentur zu führen, die eine Trennung von Leben und Arbeit nicht vorsah. Neben der schönen Werbung, die unter diesen Voraussetzungen entstand, gab es ein Agenturklima, das auf zugleich subtile aber auch logische Art und Weise Menschen zueinander führte, die sensibel genug waren, die Qualität des Miteinanders zu erkennen oder auch zu sensibel, um in anderer Umgebung überhaupt zu bestehen.

Von Mallorca aus hat Werner Butter sicher oft zurück geblickt. Zurück in die Vergangenheit und zurück auf das Land, dessen Kultur er auf seine Art und Weise mit bestimmt hat. Und natürlich auf die Agentur, die seinen Namen trägt, in Düsseldorf und in Berlin. In der Trauer der Mitarbeiter wird der Wille enthalten sein, dass sein Name auch in Zukunft für Anspruch, Kultur und Kreativität steht, so wie vor mehr als vierzig Jahren der Name des ADC Gründungsmitglieds Werner Butter.
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