Der Umzug von Conrad.com hat Konsequenzen

Montag, 07. Mai 2001

Die Münchner Conrad.com Aktiengesellschaft wird in diesem Sommer nach Hirschau zum Hauptsitz der Conrad-Gruppe verlegt. Damit dürfte auch die Zahl der derzeit offenbar wenig umzugsbereiten 45 Mitarbeiter deutlich sinken. Dem Vernehmen nach sind künftig auch Managementpositionen vakant. So soll der Marketingvorstand Marco Rocci offenbar nicht weiter zur Verfügung stehen. Dies wird seitens des Unternehmen allerdings nicht bestätigt.

Synergie-Effekte beispielsweise in den Abteilungen Finanzen und Personal sowie eine von Conrad bevorzugte Zentralfunktion einzelner Bereiche sind nur ein Grund für die Auflösung der erst im vergangenen Jahr gegründeten Aktiengesellschaft. An der Ausarbeitung der Pläne sitzt ein Integrationsteam, das die Rückführung einleiten wird. Werner Conrad, Vorsitzender der Geschäftsführung von Conrad Electronic, will die Webaktivitäten zu sich holen, um die internen Geschäftsprozesse künftig auf das Internet verlagern zu können. Zusammen mit SAP und Compaq wird derzeit an einer neuen E-Commerce-Plattform gebastelt: "Im Internet sind nur ganzheitlich agierende und vernetzte Unternehmen erfolgreich", meint Conrad. Hinzu kommt, dass die mit der AG-Gründung verbundenen Börsenpläne aufgegeben wurden.

Die selbstgesteckten Ziele der Gruppe sind hoch. Schließlich verkauft Conrad bereits seit 1997 Elektronik und Technik über das Internet. Das Sortiment soll in den kommenden Jahren auf über 100.000 Artikel aufgestockt werden. Darüber hinaus sind weitere Spezialshops in Planung. Immerhin hat allein Conrad.com im vergangenen Jahr 105 Millionen Mark Umsatz erzielt, was einem Plus von 90 Prozent entspricht. Im 1. Quartal 2001 war Conrad.com zum ersten Mal profitabel. Angesichts der 1,3 Milliarden Mark Gesamtumsatz ist der prozentuale Anteil noch gering. Verglichen mit Versendern wie Otto und Karstadt-Quelle (rund 500 Millionen Onlineumsatz) kann sich das Unternehmen gut behaupten. Zudem wird Conrad in Hirschau in dieser Woche eines der modernsten Logistikzentren eröffnen.

Ebenfalls neu ist der Vermarkter 100world.media, der neben Kunden wie Consors und Boerse.de nun auch den Internetauftritt von Conrad.com betreut. Monatlich sind nach Unternehmenangaben über 2 Millionen Besucher auf der Site, die rund 15 Millionen Page-Impressions erzeugen. Einem im Dezember 2000 von der GfK aufgestellten Ranking aller deutschen E-Commerce-Shops zufolge steht Conrad.com auf Platz 7. Conrad-Webshops gibt es auch in den Niederlanden, Österreich, Schweiz und Frankreich.
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