Der "Stern" übergibt die "Hitler-Tagebücher" dem Bundesarchiv

Dienstag, 23. April 2013
1983 veröffentlichte der "Stern" die vermeintlichen Sensation
1983 veröffentlichte der "Stern" die vermeintlichen Sensation

1983 veröffentlichte der "Stern" die gefälschten "Hitler-Tagebücher". Doch aus der vermeintlichen Weltsensation wurde der größte Medienskandal in der Geschichte der Bundesrepublik. 30 Jahre nach der Veröffentlichung übergibt Gruner + Jahr die inzwischen tatsächlich wieder geschichtsträchtigen Kladden dem Bundesarchiv in Koblenz. "Die gefälschten Tagebücher sind ein Teil der Geschichte des Stern. Wir wollen das nicht wegdrücken, sondern damit angemessen und vor allem sachlich umgehen. Daher haben wir entschieden, die Kladden nach 30 Jahren ins Bundesarchiv zu geben", begründet "Stern"-Chefredakteur Dominik Wichmann die Entscheidung. Auch staatliche Aktien werden in der Regel nach 30 Jahren der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Daher habe sich der Verlag entschlossen, die Bücher abzugeben.

Das Bundesarchiv, in dessen Besitz die von dem Kunstfälscher Konrad Kujau hergestellten Tagebücher nun übergehen, hatte die Kladden 1983 wenige Tage nach der Veröffentlichung als plumpe Fälschungen entlarvt. Mittlerweile haben die Bände allerdings selbst historischen Wert: "Die gefälschten Hitler-Tagebücher sind Dokumente der Zeitgeschichte. Sie sind im Bundesarchiv bestens aufgehoben", freut sich Michael Hollmann, Präsident des Bundesarchivs.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet in ihrer heutigen Ausgabe derweil über die Rolle des britischen Historikers Hugh Trevor-Roper in dem Skandal: Der Hitler-Experte sollte damals im Auftrag von Gruner + Jahr die Echtheit der Tagebücher bestätigen. Bislang unveröffentlichte Dokumente und Notizen aus dem Nachlass des 2003 verstorbenen Historikers zeigen, wie auch der anerkannte Experte angesichts der scheinbaren Sensation von der seltsamen Eigendynamik der damaligen Ereignisse mitgerissen wurde: "Jedes rationale Argument sprach gegen die Echtheit, und ich glaubte niemals, dass sie echt sein könnten, aber dann wurde ich durch einen seltsamen psychologischen Zwang bekehrt!", schrieb Trevor-Roper 1983 in einem Brief.

Der "Stern" hatte ab 1981 insgesamt 62 gefälschte Tagebücher für über 9 Millionen D-Mark gekauft. Nur wenige Tage nach der Veröffentlichung der ersten Auszüge aus den Tagebüchern am 28. April 1983 wurden die Tagebücher vom Bundesarchiv und dem Bundeskriminalamt als Fälschungen entlarvt. dh
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