"Der Cop und der Snob" im Check: Schlecht kopiert statt gut erfunden

Dienstag, 23. Oktober 2012
Ungleiches Duo: Marc Ben Puch als Tristan von Rehnitz und Johannes Zirner als Gerry Waiblinger
Ungleiches Duo: Marc Ben Puch als Tristan von Rehnitz und Johannes Zirner als Gerry Waiblinger


Ungleiche Duos gehören spätestens seit der legendären britischen Krimiserie "Die Zwei" mit Roger Moore und Tony Curtis zum festen Repertoire von TV-Serien. Doch nicht immer geht das Konzept auf. In der neuen Sat-1-Serie "Der Cop und der Snob" will der Funke nicht so recht überspringen - auch weil die beiden Hauptfiguren derart überzeichnet sind, dass sie fast schon wie Karikaturen wirken. Zudem haben sich die Macher allzu offensichtlich von zahlreichen anderen Serien inspirieren lassen. Die Ausgangskonstellation von "Der Cop und der Snob" ist altbekannt und liegt in leichten Variationen auch fast allen neuen ARD-Vorabendkrimis zugrunde: Zu Beginn prallen zwei gänzlich unterschiedliche Charaktere aufeinander, müssen zwangsweise zusammenarbeiten und raufen sich schließlich irgendwie zusammen. Im Fall von "Der Cop und der Snob" (Produktion: Constantin Television) sind das der adlige Preuße Tristan von Rehnitz (Marc Ben Puch) und der Münchner Schlawiner Gerry Waiblinger (Johannes Zirner), die unfreiwillig als Team ermitteln müssen. Das Gespann erinnert wohl nicht ganz zufällig an Krimiklassiker wie "Die Zwei", "Simon & Simon" oder auch das kongeniale Duo Thiel/Börne aus dem Münsteraner "Tatort". Im Gegensatz zu diesen bekannten Vorbildern will das bewährte Konzept bei der neuen Serie von Sat 1 allerdings nicht so recht funktionieren - auch weil die beiden Hauptfiguren bis zur Karikatur überzeichnet sind. 

Während Marc Ben Puch als stocksteifer Tristan von Rehnitz mit Anzug und Seidentuch Sätze aufsagen muss, die aus einem klassischen Drama stammen könnten, gibt Johannes Zirner den Polizisten Gerry Waiblinger als schlitzohrigen Vorstadtcowboy mit Lederjacke und 70er-Jahre-Schnauzer, der sich nach dem Motto "A bisserl was geht allerweil" durchs Leben schlawinert. Insgesamt wirken die Hauptfiguren ein wenig wie aus Versatzstücken ihrer offensichtlichen Vorbilder zusammenmontiert. Die Konflikte und Gags, die sich aus der Konstellation zwangsläufig ergeben, sind daher ziemlich vorhersehbar. Wenn der blaublütige Polizist dann noch Dinge sagt wie "Ein Haserl? Meint er ein Mädchen von lockerer Moral, das sich bereitwillig in der Münchner Partyszene herumreichen lässt?" driftet die Serie zudem immer wieder ins Lächerliche ab.

Es gehört zwar zu den Gesetzmäßigkeiten von TV-Serien, dass sich Figuren weiterentwickeln und im Laufe der Zeit an Schärfe und Tiefe gewinnen – im Fall von "Der Cop und der Snob" dürften allerdings Zweifel angebracht sein, ob die Zeit dafür ausreicht. Denn der Auftakt am Montag war wenig erfolgversprechend: Insgesamt lockte die erste Folge gerade einmal 1,89 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme (Marktanteil 5,7 Prozent), bei den Zuschauern von 14 bis 49 Jahren kam der Marktanteil nicht über 7 Prozent hinaus. Bei der zweiten Folge sank der Marktanteil sogar auf 6,4 Prozent.

Mit "Der Cop und der Snob" dürfte also bereits die dritte von insgesamt vier neuen Serien beim Publikum durchgefallen sein, mit denen Sat 1 an den Überraschungserfolg von "Der letzte Bulle" und "Danni Lowinski" anknüpfen wollte. Mit "Familie Undercover" hat der Sender nun noch einen letzten Pfeil im Köcher. dh
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