"Der Bachelor" im HORIZONT-Interview: "Das Thema Pornographie bringt mich zum Nachdenken"

Montag, 07. Januar 2013
Jan Kralitschka alias "Der Bachelor" sucht zusammen mit RTL die große Liebe
Jan Kralitschka alias "Der Bachelor" sucht zusammen mit RTL die große Liebe
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Pornographie RTL Kuppelshow Traumfrau Bonprix Brax Porsche


Er ist der Junggeselle der Stunde - zumindest auf RTL: Jan Kralitschka alias „Der Bachelor". Seit vergangenem Mittwoch sucht der 36-Jährige in der Kuppelshow seine Traumfrau. Ob er diese unter den 20 Kandidatinnen bis zum Ende der bereits abgedrehten Staffel auch wirklich finden wird, hat der „Bachelor" im Interview mit HORIZONT.NET nicht verraten. Stattdessen spricht der modelnde Rechtsanwalt über Werbung in Katalogen, wieso ihn Pornographie zum Nachdenken bringt und weshalb er sich im Privatfernsehen nicht kostümieren lassen will. Sie müssten jetzt ja eigentlich frisch verliebt sein, oder? Sorry, dazu darf ich mich leider noch nicht äußern.

Der Bachelor ist eigentlich Rechtsanwalt und jobbt als Model
Der Bachelor ist eigentlich Rechtsanwalt und jobbt als Model
Schade. Wie hat sich Ihr Alltag seit Beginn der Ausstrahlung des „Bachelor" am vergangenen Mittwoch denn sonst noch verändert?
Ganz positiv eigentlich. Wichtige Menschen aus meinem Umkreis haben mir ihre Zustimmung gegeben und mir gesagt, du kamst gut an. Ich hab mir vorher viele Gedanken darüber gemacht, wie sich das wohl alles auswirken wird. „Der Bachelor" ist ja ein Format, das zwar eine hohe Einschaltquote hat, aber auch polarisiert. Und ich mag Dinge, die polarisieren. Ich mag Menschen, die ihre Meinung vertreten, die sagen, was sie denken, und deshalb hat mich die Sendung und auch die Idee, die dahinter steht, so gereizt. Ich habe es wirklich als Herausforderung angesehen, wie ich mit den Frauen umgehe. So eine künstlich geschaffene Situation hat man im normalen Leben ja nicht. Mich hat es gereizt, über einen solchen Weg eine Frau kennenzulernen.

Aber ist es heutzutage denn so schwer, Frauen ganz normal kennenzulernen? Die Frage muss sicher jeder ganz individuell beantworten. Ich denke, es ist nach wie vor schwer, den Menschen zu finden, mit dem man am optimalsten sein Leben verbringen kann, um es einmal sehr nüchtern auszudrücken. Die große Liebe zu finden, ist Glückssache, oder Schicksal - ich weiß es nicht genau. Und man kann sich auf ganz vielen Wegen auf die Suche begeben: Man kann jeden Abend in eine andere Disco rennen, man kann verkuppelt werden, man kann Kontaktanzeigen aufgeben, man kann im Supermarkt die Augen aufhalten, wann kann aber auch bei „Der Bachelor" mitmachen.

Wie frei waren Sie während der Staffel in Ihren Entscheidungen? Wie viel konnten Sie generell mitreden im Laufe der Produktion? Als ich angefangen habe, mich mit der Show auseinanderzusetzen und ich mit den entscheidenden Leuten gesprochen habe, habe ich von Anfang an klar gemacht, dass ich nur dann mitmachen werde, wenn ich so sein kann, wie ich bin. Das heißt, ich werde mich nicht kostümieren lassen, ich werde nur das anziehen, was ich aussuche, und ich will auch keinerlei Vorgaben, was die Entscheidungen über die Frauen angeht. Anders könnte ich das gar nicht machen. Man sieht mir einfach an, wenn ich nicht authentisch bin.

Von Madeleine wirkten sie in der ersten Folge allerdings, genau wie viele der anderen Frauen und ein Großteil der Zuschauer, irritiert bis genervt. Warum ist sie trotzdem weitergekommen? Madeleine ist ein Mensch, der polarisiert. Ich finde das interessant. Und ich habe gehofft, noch eine Seite an ihr entdecken zu können, die sie vielleicht auch anders zeigt. Irgendwas musste ja dahinter stecken, wieso sie sich so komisch verhalten hat.

Der neue "Bachelor" Jan lockte zum Start über 4 Millionen Zuschauer zu sich auf die Couch
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Auch Kandidatin Melanie machte kurz nach der ersten Folge mit ihrem Porno-Outing von sich reden. Ich habe davon auch erst durch die Zeitung erfahren. Wer Melanie sieht, der weiß schon, dass sie ein Mensch ist, der das macht, was ihr gefällt, und das mag ich auch an ihr. Ich bemühe mich auch, ein sehr toleranter Mensch zu sein. Das habe ich durch meinen Job als Model und die vielen Reisen gelernt. Aber was ich auch durch die Sendung gelernt habe: Ich muss lernen, noch viel viel toleranter zu sein. Ich finde, jeder soll, so lange er niemanden verletzt, seinen eigenen Weg gehen. Wenn andere ihn dafür verurteilen, ist es deren Sache. Auch wenn mich das Thema Pornographie selbst bei meiner Toleranz zum Nachdenken bringt.

Wissen Sie noch mehr Dinge über die Kandidaten, die besser nicht an die Öffentlichkeit geraten sollten? Nein, aber soviel kann ich verraten: Es wird noch viele spannende Momente in der Sendung geben.

Wenn Sie nicht gerade der Bachelor sind, arbeiten Sie als Rechtsanwalt und Model.  Welche Erfahrungen haben Sie selbst mit Werbung gemacht? Sehr viele meiner Jobs waren im Katalogbereich, ich hab beispielsweise für Klingel, Bonprix, The British Shop oder auch für Brax gemodelt und dazwischen immer Werbung gemacht, für Porsche etwa. Ich liebe das Reisen, die sehr kreativen und aufgeschlossenen Leute.

Kommen Ihnen Ihre Erfahrungen aus dieser Zeit, evtl. bei Castings, jetzt zugute? Die Kommentare in den Feuilletons und im Internet sind nicht immer sonderlich nett. Das ist schon eine ganz neue Erfahrung für mich. Ich habe aber als Model gelernt, oberflächliche Kritik - und sie kann nur oberflächlich sein, wenn man sich aufgrund eines Fernsehauftritts eine Meinung bildet -  überhaupt nicht persönlich zu nehmen. Wenn ich auf ein Casting gehe und da sind zehn andere Leute, die alle toll aussehen, und ich heule, weil ich den Job nicht bekomme, dann hätte ich den völlig falschen Beruf. Das hilft mir, sehr gelassen mit den teilweise wirklich lustigen Kommentaren umzugehen. Solange meine Kinder oder meine Familie nicht angegriffen werden oder davon belastet sind, finde ich das schon fast humorvoll. Viel schlimmer wäre es, wenn sich Leute, die mir ans Herz gewachsen sind, total abwenden.

Schauen Ihre Kinder Ihre Show im Fernsehen? Meine Tochter ist noch zu klein, aber mein Sohn schaut. Und er ist ein pfiffiges Kerlchen, er weiß auch negative Kommentare richtig einzuschätzen. Ich hab mich sehr gefreut, als er mir geschrieben hat: Haste gut gemacht Papa. So was bedeutet mir tausendmal mehr als alles andere.

Für Sie ist schon vorbei, was für die Zuschauer im TV erst richtig beginnt. Wie beurteilen Sie selbst die Show rückblickend? Es war einfach eine unglaubliche Erfahrung. Ich habe viel für mich gelernt und ich hatte auch Zeit, mich bewusst mit mir auseinanderzusetzen. Auch das Verhältnis zu meinen Eltern und zu meinem Sohn hat sich dadurch positiv weiterentwickelt. Und ich weiß nun: Kein Mann kann einem vorher sagen, wie das ist, wenn die Blicke von 20 Frauen gleichzeitig auf einen gerichtet sind. kl
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