Datenschutz: Internet-Community Diät-Clique rebelliert gegen Facebook und Google

Freitag, 18. Mai 2012
Auf der Website der Diät-Clique gibt es zwei Wochen lang keine Werbung
Auf der Website der Diät-Clique gibt es zwei Wochen lang keine Werbung


Es ist ein riskantes Zeichen, das die Internet-Community "Diät-Clique" setzt: In den kommenden zwei Wochen will das Unternehmen komplett auf Werbeanzeigen verzichten, um gegen die teilweise laxen Datenschutzbestimmungen von Google und Facebook zu protestieren. Unterdessen erneuert Facebook seine Datenschutzrichtlinien unter Einbeziehung der Nutzer - und greift nach Expertenmeinung dabei dennoch zu kurz. Als Betreiber eines kleinen Internet-Projektes fühlen sich die Macher der "Diät-Clique", in der die User gemeinsam abnehmen wollen, zwischen den Stühlen: einerseits will man dem berechtigten Wunsch der Nutzer nach Schutz ihrer Daten nachkommen, andererseits will man sich die Werbeeinnahmen durch Google Adsense oder die Reichweitensteigerung durch Facebook-likes nicht entgehen lassen. Beide Anbieter jedoch pflegen teilweise ein anderes Verständnis von Datenschutz als die Internetnutzer hierzulande. "Auf unserer Plattform selbst ergreifen wir alle erdenklichen Maßnahmen, um den Datenschutz zu gewährleisten - doch um erfolgreich sein zu können, müssen wir mit den großen Playern und ihren Spielregeln mitspielen", beschreibt das Unternehmen das Dilemma in einer Mitteilung.

Facebook ist sich dieser Problematik bewusst, will aber seinen auf Datentransfer basierenden Geschäftserfolg nicht riskieren. Deswegen verändert das Unternehmen von Zeit zu Zeit seine Datenschutzbestimmungen und macht dabei in homöopathischen Dosen Zugeständnisse an die User. So auch diesmal. Allerdings nicht - wie in der Vergangenheit oft geschehen - heimlich, still und leise. Die Änderungen wurden auf der Facebook Site Governance vorgestellt und können dort bis einschließlich heute von den Usern kommentiert werden. Die neuen Bestimmungen umfassen etwa die öffentliche Zugänglichkeit von bestimmten Daten wie Geschlecht, Profilbilder oder Nutzernamen. Was nach Klicks auf Werbeanzeigen passiert, ist nach wie vor in einer Richtlinie in der Facebook-Hilfe definiert.

Rechtsanwalt Christian Solmecke
Rechtsanwalt Christian Solmecke
Rechtsanwalt Christian Solmecke, Mitinhaber der Kanzlei Wilde Beuger Solmecke und auf Internetrecht spezialisiert, sieht die neuen Datenschutzbestimmungen kritisch: "Die neue Datenschutzrichtlinie sorgt leider immer noch für viele Unklarheiten. Und das, obwohl Facebook mit der Aufstellung der neuen Richtlinie der Kritik der Datenschützer nachkommen wollte. Wie widersprüchlich die Datenschutzbestimmungen sind, zeigt ein abschließendes Beispiel: Am Anfang heißt es: „Obwohl du uns gestattest, die Informationen zu verwenden, die wir über dich erhalten, bleiben diese doch stets dein Eigentum.“ Am Ende dagegen: „Das Unternehmen Facebook Ireland Ltd. (…) ist der verantwortliche Dateninhaber für deine persönlichen Informationen." ire
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