"Das Supertalent" mit Gottschalk: Der Show-Titan auf der Provinzbühne

Montag, 17. September 2012
Zweckgemeinschaft: Thomas Gottschalk und Dieter Bohlen
Zweckgemeinschaft: Thomas Gottschalk und Dieter Bohlen


Die erste Folge von "Das Supertalent" hat weder beim Publikum noch bei der Kritik Begeisterungsstürme ausgelöst - im Gegenteil: Die Zuschauerzahl der ersten Ausgabe blieb weit unter dem Niveau der Vorjahre, die Resonanz in der Presse ist alles andere als schmeichelhaft. Gottschalk selbst verhinderte in der Show mit einem festgefrorenen Dauerlächeln zwar allzu tiefe Einblicke in seine Gefühlswelt und kontert die Kritik via "Bild-Zeitung" - aber irgendwie nimmt am ihm den Spaß an der Show nicht so recht ab. "Ich könnte bei einer Tasse Tee in Malibu sitzen und darüber klagen, wie schlimm das Fernsehen geworden ist, aber lieber spiele ich noch ein bisschen mit; und hört mir auf mit schlechten Kritiken und schwachen Quoten, damit macht mir keiner mehr die Stimmung kaputt. Es haben viele zugeschaut und lustig war‘s", betonte Gottschalk in der "Bild"-Zeitung.

Lustig? Nun ja. Angesichts der in der ersten Sendung zusammengeschnittenen Highlights will man sich gar nicht ausmalen, was die Jury in den Castings alles über sich ergehen lassen musste. Vieles erinnerte mehr an Kleinkunstbühnen in der Provinz als an eine professionelle Fernsehshow. Gottschalk lächelt tapfer, als sich ein dicker Junge als Sänger versucht und ihm erklärt, dass er wohl noch zu jung ist für die große Showbühne, er lächelt tapfer, als ein Papagei krächzend "Hänschen klein" zum Besten gibt, und bei einer Nummer, in der sich ein Kandidat mit Hilfe von Rasierschaum in verschiedene Figuren verwandelt, wird aus dem tapferen Lächeln sogar so etwas wie echte Freude.

Bei einem unsäglich schlechten Wolfgang-Petry-Imitator bricht sich die Verzweiflung des Show-Titans schließlich Bahn: "Du bist einer der Typen, vor denen ich mich gefürchtet habe", bekennt Gottschalk und an dieser Stelle wird klar, warum die Show-Legende und "Das Supertalent" einfach nicht zusammenpassen: Gottschalk, der bekennende Menschenfreund, muss einem Kandidaten vor Millionen Zuschauern beibringen, dass er einfach absolut talentfrei ist und sich gerade bis auf die Knochen blamiert. Und während Gottschalk und Hunziker längst den Buzzer gedrückt haben, um den peinlichen Auftritt zu beenden, lässt Bohlen den armen Möchtegern-Sänger noch sekundenlang weiter auf der Bühne herumhampeln und feuert das johlende Publikum noch zusätzlich an. 

Bohlen, der gnadenlose Kandidatenschreck und Gottschalk, der stets positive Menschenfreund auf einer Bühne, das geht einfach nicht zusammen. Selbst die fröhlich unbefangene Michelle Hunziker, die als Blickfang und ausgleichendes Element zwischen den beiden Showgrößen sitzt, schafft es nicht, diesen Gegensatz zu überbrücken.

Die kühle Distanz zwischen den beiden Männern ist förmlich zu spüren - und da sie es auch nicht schaffen, ihre Gegensätzlichkeit mit Frotzeleien wenigstens zu überspielen, so wie es Gerhard Delling und Günther Netzer einst in Vollendung vorführten, will der Funke auch nicht auf die Zuschauer im Saal und vor dem Fernsehschirm überspringen. Und so muss es wie so oft die Inszenierung und die nachträgliche Bearbeitung im Schneideraum richten, die aber aus den Auftritten der Kandidaten auch nur so viel herausholen kann, wie eben drin war.

Und da auch das Kalkül von RTL und Dieter Bohlen, mithilfe von Gottschalk mehr Zuschauer vor die Fernsehschirme zu locken, bislang nicht aufgegangen ist, kann man wohl davon ausgehen, dass Gottschalk 2012 zum ersten und zum letzten Mal in der Jury von "Das Supertalent" sitzen wird. Zumal sich Gottschalk auf Dauer wohl kaum mit einer Rolle als Nebendarsteller zufrieden geben wird. Wetten, dass ...? dh
Meist gelesen
stats