DSDS-Songs: ARD wehrt sich gegen Boykott-Vorwürfe

Donnerstag, 19. Mai 2011
Wolfgang Schmitz, Chef der ARD-Hörfunkkommission
Wolfgang Schmitz, Chef der ARD-Hörfunkkommission

Geschmacksdiktat bei der ARD? Der Vorsitzende der ARD-Hörfunkkommission Wolfgang Schmitz wehrt sich gegen die Vorwürfe, die öffentlich-rechtlichen Radiosender würden die Songs der Kandidaten der RTL-Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" absichtlich nicht spielen. "Es ist Unfug, dass die Siegerlieder von DSDS seit Jahren von der ARD boykottiert werden", betont Schmitz. Nachdem die "Bild"-Zeitung berichtet hatte, dass die ARD-Radiosender Songs von DSDS-Kandidaten weitgehend ignoriere, gab es im Internet wütende Fan-Proteste. Im Kommentaren war von "Zensur wie in der DDR" die Rede. Selbst Dieter Bohlen meldete sich via "Bild" zu Wort: "Es ist kein Zufall, dass wir im ARD-Radio nicht stattfinden. Das ist Meinungsdiktat. Und wir alle zahlen dafür noch Zwangsgebühren", schimpfte der DSDS-Chef-Juror. Der NDR verwies leicht herablassend auf die vermeintlichen Präferenzen seiner Hörer: "Casting-Gewinner haben es bei unseren Hörern eben schwer", sagte ein NDR-Sprecher gegenüber der "Bild".

In einer offiziellen Stellungnahme bemühte sich Schmitz dann um sachliche Argumente und zählte auf, bei welchen Sendern der DSDS-Siegersong zu hören war: Unter anderem lief "Call my Name" bei SR 1 Europawelle, 103.7 Unser Ding, bei der HR-Jugendwelle You FM und HR 3 - mit Ausnahme des populären hessischen Senders also nur bei vergleichsweise kleinen Stationen.

ARD-Hörfunkmann Schmitz verweist außerdem auf die Auswahlkriterien der Sender: "Es gibt keinen Automatismus, dass chartrelevante Titel im Programm gespielt werden. Grundsätzlich spielen Chartpositionen bei der Auswahl der Musik im Radio kaum eine Rolle", verteidigt der ARD-Manager die Auswahl der Musik: "Die Auswahl der gespielten Titel ist ein an musikjournalistischen Kriterien orientiertes redaktionelles Verfahren, bei dem es egal ist, von welchem Sender der Künstler erschaffen wurde oder von wem er produziert wird."

Etwas eigenartig mutet dagegen ein weiteres Argument von Schmitz an: "Außerdem sind die Verkaufszahlen der aktuellen Charts im Verhältnis zu den gut 39 Millionen Hörerinnen und -hörern, die die Radiostationen der Landesrundfunkanstalten täglich einschalten, so gering, dass diese nur sehr begrenzt etwas über die Beliebtheit eines Künstlers aussagen."  Der Vergleich konkreter Verkaufszahlen mit der gesamten Reichweite aller ARD-Radiosender hinkt dann doch gewaltig. dh
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