DPA: Umzug nach Berlin und Neuausrichtung bringen 2009 und 2010 rote Zahlen

Mittwoch, 23. Juni 2010
Die DPA macht Verlust
Die DPA macht Verlust

Umzug mit Folgen: Die Deutsche Presse-Agentur (DPA) ist 2009 zum ersten Mal in ihrer über 60-jährigen Geschichte in die Verlustzone gerutscht. Im vergangenen Jahr belief sich der Fehlbetrag nach Steuern auf 3,8 Millionen Euro; 2008 schrieb DPA noch 2,9 Millionen Euro Gewinn. Gründe für den Verlust seien der Umzug der Redaktionen nach Berlin und der Aufbau der dortigen Zentralredaktion - dies habe erwartungsgemäß zu Sonderkosten in Höhe von 7,7 Millionen Euro geführt, teilte die Agentur in Hamburg mit. Das Ergebnis spiegele "keine Krise des Unternehmens, sondern die Investition in seine Zukunft wider".
DPA-Boss Malte von Trotha
DPA-Boss Malte von Trotha
Dies gelte auch für das laufende Jahr: In 2010 erwartet Malte von Trotha, der Vorsitzende der DPA-Geschäftsführung, erneut einen Jahresfehlbetrag - "wenn auch nicht so hoch wie in 2009". Er erklärt dies wiederum mit Investitionen in neue Redaktions- und Archivsysteme.

Der Umsatz sank 2009 um 3,8 Millionen Euro (4,1 Prozent) auf 90,3 Millionen Euro. Ein Grund dafür war die Kündigung des Großkunden WAZ-Gruppe. Der Essener Konzern sei aber weiterhin Gesellschafter der Agentur, betont Vertriebgeschäftsführer Michael Segbers: "So bleibt man weiter in Kontakt." Alle anderen Verträge, die 2009 gekündigt wurden, seien mittlerweile wieder verlängert oder die Kündigungen zurückgenommen worden. Auch der Berliner "Tagesspiegel"? Man habe "begründete Hoffnung", dass auch dieser Kunde bleibe, so Segbers. Der "Tagesspiegel" hatte sich daran gestört, dass die DPA in Berlin Untermieter von Axel Springer wird und um die Unabhängigkeit der gemeinsamen Agentur gefürchtet. DPA gehört rund 190 Verlagen und Rundfunksendern.

Apropos Umzug: Ihre neue Zentralredaktion in Berlin wird DPA am 15. September offiziell eröffnen. "Erstmals seit der Gründung arbeiten alle zentralen Redaktionen unter einem Dach - von Wort über Foto, Grafik und Online bis zu Audio & Video", sagt Chefredakteur Wolfgang Büchner. Damit kommen rund 300 Mitarbeiter im neuen Newsroom zusammen, die zuvor auf drei Standorte und noch mehr Gebäude in Hamburg, Frankfurt am Main und Berlin verteilt waren. Aus Hamburg ziehen etwa 180 Redakteure in die Hauptstadt um, aus Frankfurt rund 40. Nicht mit nach Berlin wollen 64 Mitarbeiter; sie verlassen die Agentur gemäß Sozialplan.

"Der Neustart in Berlin ist ein wichtiges Element des Relaunches der DPA - aber bei weitem nicht das einzige", sagt Büchner. Im Mittelpunkt stünden die Mitarbeiter und die Begriffe Qualität, Navigation und Dialog. Zudem will Büchner die Landesdienste ausbauen, um die „Präsenz in der Fläche als Alleinstellungsmerkmal der DPA" zu stärken. Bisher unterhält die Agentur 50 Büros bundesweit und weitere in rund 100 Ländern. "Unsere Kunden können das Zusammenspiel dieser Einheiten auf unserem neuen Kunden-Portal ,DPA News‘ künftig mitverfolgen und mitgestalten", so Büchner.

Doch trotz Zentralredaktion in Berlin: DPA bleibt ein Hamburger Unternehmen. In der Hansestadt bleiben etwa 300 Mitarbeiter, darunter Geschäftsführung, Verwaltung, Vertrieb, IT und Archive, die PR-Tochter Newsaktuell und weitere Service-Sparten. Vor allem mit Dienstleistungen für und mit Medien, etwa mit Corporate Publishing, will DPA wachsen. rp
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