DLM-Gutachten prognostiziert Ende des Verleger-Ethos

Mittwoch, 21. Mai 2008
DLM-Vorsitzender Thomas Langheinrich
DLM-Vorsitzender Thomas Langheinrich

Medienunternehmen, an denen Finanzinvestoren beteiligt sind, werden in erster Linie nach rein ökonomischen Kriterien geführt. Der inhaltegetriebene "Verleger-Ethos", der ursprünglich dem Rundfunk zugrunde lag, werde zunehmend abgelöst. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens, das die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) in Auftrag gegeben hat. "Nach diffusen Diskussionen in der Vergangenheit über den Einfluss von Finanzinvestoren in den Medien trägt dieses Gutachten zur Versachlichung der Debatte bei", sagt der DLM-Vorsitzende Thomas Langheinrich. Gegenstand der Untersuchung war der Einfluss von Private-Equity-Investoren, die kein überwiegend strategisches Interesse am Unternehmen haben, das sie erwerben. Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass aktive Finanzinvestoren alle geeigneten Mittel nutzen, um das Management zu einer Geschäftspolitik zu bewegen, die auf Optimierung und Gewinnmaximierung ausgerichtet ist. Einfluss auf operative Entscheidungen oder Inhalte wurde dabei in den untersuchten Fällen von den Private-Equity-Investoren nicht genommen. "Allerdings besteht die Gefahr, dass die Wertmaximierungsstrategie und der Schuldendienst bei hoher Fremdfinanzierungsquote zu Sparzwängen auch im Programmbereich führen könnten", mahnt der Direktor des Hans-Bredow-Instituts, Wolfgang Schulz.

Die Autoren des Gutachtens schlagen zur Sicherung der Rundfunkpublizistik "Leistungskataloge" vor, die für den privaten Rundfunk entweder gesetzlich festgeschrieben oder als Selbstverpflichtung auferlegt werden könnten. Wer das duale Rundfunksystem behalten will, muss dem publizistischen und gesellschaftlichen Auftrag des privaten Rundfunks einen klaren gesetzlichen Rahmen geben. Investoren in Rundfunkunternehmen müssen wissen, welche publizistischen Leistungserwartungen von ihnen rechtlich verbindlich eingefordert werden ", so die Forderung von Langheinrich. dh
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