DFL-Geschäftsführer Seifert: "Kartellamt missbraucht die Liga"

Freitag, 25. Juli 2008
DFL-Geschäftsführer Christian Seifert
DFL-Geschäftsführer Christian Seifert

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat sich im Streit um die Zentralvermarktung der Medienrechte zu Wort gemeldet und die Aussagen des Bundeskartellamts als "populistisch" und "unwahr" bezeichnet. "Es ist keineswegs so, dass wir mit unserem Vermarktungsmodell den Verbraucher benachteiligen und ihm die Wahl zwischen Free- und Pay-TV nehmen", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert heute auf einer Pressekonferenz in Frankfurt. "Das Bundeskartellamt hat die Interessen der Verbraucher mit dem Erhalt der Sportschau gleichgesetzt - hier ist ganz klar eine Lex ARD entstanden", ergänzte Ligapräsident Reinhard Rauball. Ziel der DFL sei nicht gewesen, die Sportschau abzuschaffen, sondern "in einem offenen und transparenten Wettbewerb marktgerecht Preise für die TV-Recht zu erzielen". Genau dies sei aber nun nicht mehr möglich. "Es ist paradox", so Seifert: "Eine Institution, die dazu da ist, den Wettbewerb zu fördern, verhindert nun genau diesen."

Das Bundeskartellamt hatte am gestrigen Donnerstag mitgeteilt, dass das vorgesehene Vermarktungsmodell von DFL und der Leo-Kirch-Tochter Sirius unzulässig ist. Die Zentralvermarktung der Medienrechte durch die DFL sei zwar grundsätzlich rechtens, allerdings müsse der Verbraucher davon profitieren. Dazu bedarf es nach Auffassung von Kartellamts-Präsident Bernhard Heitzer eine zeitnahe Highlight-Berichterstattung am Hauptspieltag der Bundesliga, sprich: am Samstag. Dies aber sieht nur eines der beiden Vermarktungsszenarien der DFL vor.

Liga-Chef Reinhard Rauball
Liga-Chef Reinhard Rauball
Die DFL-Geschäftsführung muss nun im Dialog mit Vermarkter Sirius und dem Kartellamt eine Lösung finden. DFL-Präsident Reinhard Rauball: "Wir haben kein Patentrezept, das wir heute präsentieren können." Seifert: "Klar ist, dass dem derzeitigen Vertrag zwischen der DFL und Sirius die Grundlage entzogen worden ist - gleichwohl besteht der Vertag weiterhin." Sich von einem Vermarktungsszenario ganz zu verabschieden und nur das dem Bundeskartellamt genehme Modell auszuschreiben, lehnt die DFL ab. "Die Lage ist sehr ernst. Wir fordern das Kartellamt auf, die Liga nicht für Image-korrigierende Maßnahmen zu missbrauchen. Es geht um die Existenz ganzer Bundesliga-Clubs", so Seifert weiter.

In der aktuellen Rechteperiode kassiert die DFL für die nationalen TV-Rechte knapp über 400 Millionen Euro - Sirius hatte der Liga künftig 500 Millionen pro Spielzeit garantiert. "Wenn wir die zeitliche Festsetzung des Kartellamts auf eine Berichterstattung am Samstag vor 20 Uhr hinnehmen, würden wir unsere Erlöschancen langfristig beschneiden", sagte Seifert im Hinblick auf den Vorteil, den die ARD nun im Bieterrennen hätte. "Wer etwas bekommt, ohne sich groß anzustrengen, strengt sich auch nicht an. Das versteht sogar meine Tochter und die wird drei Jahre alt", so Seifert weiter. 

Einen konkreten Zeitrahmen hat die DFL nicht in Aussicht gestellt: "Das Ergebnis gefällt uns nicht und wir werden unter den erschwerten Rahmenbedingungen in Ruhe eine Lösung finden." Man wolle noch dieses Jahr eine Entscheidung herbeiführen. Die Medien und damit potenziellen Bieter um die Rechte dürften auf eine deutlich schnellere Entscheidung drängen. Mit der Ausschreibung der Liga-Rechte ist die DFL nach fast zehnmonatiger Verzögerung durch die Kartellamts-Prüfung so spät dran wie nie.
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