Condé Nast legt Vermarktung zusammen / Spiegel QC verliert Digitalmandat

Donnerstag, 02. Dezember 2010
Moritz von Laffert, Geschäftsführer von Condé Nast Deutschland
Moritz von Laffert, Geschäftsführer von Condé Nast Deutschland

Alles unter ein Dach: Condé Nast führt seine Print- und Digitalvermarktung organisatorisch zusammen und kümmert sich ab dem kommenden Jahr selbst um die Websites seiner vier großen Titel „Glamour", „GQ", „Myself" und „Vogue". Damit verliert der Vermarkter Spiegel QC das Digitalmandat von Condé Nast nach über acht Jahren Zusammenarbeit. „Niemand kann unsere hochprofilierten Medienmarken besser und glaubwürdiger vertreten als wir selbst", sagt Moritz von Laffert, Geschäftsführer von Condé Nast Deutschland. Doch kommt diese Einsicht nach fast einer Dekade Digital-Outsourcing nicht ein bisschen spät? Nein, so von Laffert, schließlich hätten sich die Umstände entscheidend verändert: Zum einen wachsen die Online-Erlöse so deutlich, dass sich nun ein eigenes Team lohnt; acht Digital-Sales-Spezialisten will Condé Nast im Innen- und Außendienst zusätzlich zu den bestehenden sechs Köpfen einstellen. Gleichwohl machen die Online-Umsätze bei den Münchnern erst einen einstelligen Prozentanteil der Werbeerlöse aus - und damit wohl erst rund 5 Millionen Euro (HORIZONT.NET-Schätzung). Ziel ist es, den Anteil binnen zwei bis drei Jahren auf eine zweistellige Rate zu steigern, geschätzt auf etwas über 10 Millionen Euro.

Zweitens schreite auch die digitale Konvergenz und Kompetenz der Mediaagenturen und Werbungtreibenden voran, sagt von Laffert: „Deshalb möchten wir unseren Kunden crossmediale, flexible und kreative Betreuung aus einer Hand bieten." Damit geht Condé Nast einen anderen Weg als etwa MVG mit einem vergleichbaren Portfolio („Cosmopolitan", „Celebrity"). MVG hat die Telekom-Tochter Interactive Media mit dem Onlineverkauf betraut und ist so ein kleiner Teil des größten Digitalvermarkters (31,5 Millionen Unique User).

Moritz von Laffert: Die politischen Aspekte, die das Mandantengeschäft mit sich bringt, passen nicht zu Condé Nast.“
Condé Nasts Portale dagegen werden auf Basis aktueller Reichweitendaten im kommenden Jahr mit insgesamt gut 1 Million Unique Usern gerade so unter den Top-50-Vermarktern landen. Zwar erhofft sich der  Verlag von den Relaunches aller Websites, neuer Technik und SEO-Maßnahmen Wachstum - dennoch gilt: „Bei uns zählt nicht die bloße Aggregation von Reichweite, sondern auch das exklusive Umfeld unserer Marken sowie die qualitativen und individuellen Lösungen, die wir hier für unsere Kunden entwickeln", sagt von Laffert. Die internationalen Schwesterfirmen hätten gute Erfahrungen mit der Eigenvermarktung gemacht.

Kann sich Condé Nast sogar vorstellen, als Dienstleister fremde Sites zu vermarkten? Nein, so der Deutschland-Geschäftsführer: „Das ist für uns derzeit kaum attraktiv, weil wir keine Qualitätsgewähr für fremde Inhalte übernehmen möchten. Und die politischen Aspekte, die das Mandantengeschäft mit sich bringt, passen nicht zu Condé Nast."

Zugleich schlägt von Laffert das digitale Werbegeschäft ab Januar 2011 seinen beiden Verlagsleitern Manuela Kampp-Wirtz (Frauentitel) und Wolfgang Winter (Männer- und Lifestyletitel) zu. Bisher ist Tobias Oswald, Geschäftsführer von Condé Nast Digital, neben anderen Aufgaben auch dafür verantwortlich. Für alle Verlagsmarken werden künftig multimedial zuständige Sales-Teams arbeiten, die von den Anzeigenleitern geführt werden. Nico Winkelhaus, Sales & Marketing Director Digital, bleibt verantwortlich für die übergreifenden Fragen der digitalen Vermarktung und fürs Campaign Management.

Condé Nast hat seine Online- und Printvermarktung im Außen- wie im Innendienst bereits in den vergangenen Monaten sukzessive verknüpft. Mit der integrierten Struktur erfolgt nun ab 2011 die letzte Weichenstellung. „Wir denken zunehmend nicht mehr in Medienkanälen, sondern in Marken", begründet von Laffert. Bereits Anfang dieses Jahres hatte er seinen beiden Verlagsleitern die Verantwortung für die Print-Vermarktung übertragen und die titelübergreifende Zentralabteilung namens „Commercial Department" aufgelöst. Das neue Vermarktungsmodell soll zudem der immer konvergenteren Arbeitsweise von Print- und Digitalredaktion etwa bei der Entwicklung von iPad-Apps Rechnung tragen. rp
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