Condé-Nast-Chef Coleridge: Mit starker Marke Print durch den digitalen Tsunami

Donnerstag, 08. November 2012
Nicholas Coleridge
Nicholas Coleridge

Diese Rechnung dürfte der Printbranche gefallen. Beim Publishers' Summit des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) stellte Nicholas Coleridge, President Condé Nast International, den Page Impressions der britischen "Vogue" eine interessante Zahl gegenüber: die der Print Impressions. Beim Condé-Nast-Flaggschiff sind das monatlich 335 Millionen – bei "nur" 30 Millionen Internetabrufen. Dabei gab sich der Condé-Nast-Chef durchaus als bekennendes "Mitglied des digitalen Clubs": "Wir wissen alle, die Digitalisierung ist unsere Zukunft. Für uns in der Medienbranche ist es wohl eine der spannendsten Zeiten überhaupt", sagte er in Berlin. Mit der Verbreitung von Tablets, vor allem dem iPad von Apple, sei zugleich die erste wirkliche Alternative zu Print entstanden – und heute könne man sich gar nicht mehr vorstellen, dass es das iPad erst seit drei Jahren gibt.

In dieser Zeit sei für Verlage vor allem eine große Chance entstanden: „Sie können mit ihren Magazinen auf allen Plattformen gewinnen.“ Allerdings erfordere dies eine starke Integration der verschiedenen Inhalte zwischen multiplen Plattformen, wohlgemerkt abgestimmt auf die verschiedenen Nutzungssituationen der Leser. Der blättert schließlich anders durch eine gedruckte "Vogue" als auf der Homepage. Zudem habe sich die Distribution der Produkte verändert. "Früher waren unsere Ausgaben noch mit dem Schiff unterwegs, bis sie beispielsweise in Asien waren, Reaktionen erreichten uns dann frühestens nach einer Woche. Heute kann weltweit alles zeitgleich geschehen", so Coleridge weiter.

Um in der digitalen Welt mithalten zu können, dürften Verlage nicht aufhören, experimentierfreudig zu sein, Risiken einzugehen und Technologie mit Talent zu mischen. "Condé Nast hat mehr als 17 Jahre lang Erfahrung im digitalen Bereich gesammelt. Das hat uns auch vor den digitalen Tsunami bewahrt, der in den letzten drei Jahren durch die Welt gefegt ist." Nicht vergessen dürfe die Branche allerdings, woher der Erfolg aller neuen Apps und aller neuen Verbreitungsformen abhänge: von der starken Marke Print. Deshalb, so Coleridge weiter, "werden wir auch nie damit aufhören, neue Magazine zu launchen." kl
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