Condé-Nast-Chef Bernd Runge nimmt zu Stasi-Vorwürfen Stellung

Dienstag, 11. Mai 2004

In einem offenen Brief an "Focus"-Chef Helmut Markwort äußerst sich Bernd Runge, Geschäftsführer und Herausgeber von Condé Nast Deutschland, erstmals öffentlich zu seinen Aktivitäten als Informant der Staatssicherheit, wehrt sich aber zugleich gegen die seines Erachtens "sensationslüsterne" Diskreditierung und Stigmatisierung seiner Person durch den "Focus"-Artikel. Mehrere Titel hatten seit dem Wochenende ausführlich über Aktenfunde aus der Birthler-Behörde berichtet. "Bis zu meinem 30. Lebensjahr war ich Bürger der DDR und nicht der Bundesrepublik, die Staatssicherheit war der staatliche Geheimdienst jenes Landes und die Herren auch stets darauf bedacht, an meine patriotischen Pflichten und politische Überzeugung zu appellieren", so der 43-Jährige. Informationen habe er gegen Geld an die Stasi übermittelt - dabei habe es sich während seiner Zeit in Ungarn als Korrespondent der Nachrichtenagentur ADN um Pressespiegel und größere Artikelübersetzungen aus ungarischen Zeitungen gehandelt.

Die Meldung von Kontakten zu westlichen Journalisten und Anfertigung von entsprechenden Berichten sei als DDR-Angestellter Pflicht gewesen, rechtfertigt es sich. Den Journalisten Hermann Tertsch von "El Pais" und Xavier Gautier von "Les Echos" sei dies, so Runge, auch immer klar gewesen. Mit solchen kleinen nichtssagenden Meldungen über derartige Beziehungen habe man sich Freiraum und Beweglichkeit verschaffen können. Er sei jedoch kein Spion gewesen. "Dass ich es nicht geworden bin, hat nichts mit der Wende zu tun, sondern war lange vorher in mir selbst begründet, meinen Zweifeln und der Weiterentwicklung des eigenen Denkens. Dass dies offensichtlich so nicht in den Akten dokumentiert wird, ist natürlich bedauerlich, aber es war nicht meine Absicht, diese als mein Tagebuch führen zu lassen." sch
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